Beiträge von Leonhard

    Ich war 1991 in Kleinkopisch, das war der heruntergekommenste, von chemischer Industrie zerfressene Ort, den man sich vorstellen kann. 1939 dürfte es aber noch nicht annähernd so schlimm gewesen sein (laut Wikipedia wurde die dortige Schwermetallindustrie just 1939 in Betrieb genommen und vor allem in den 1960er und 70er Jahren stark ausgebaut). 1991, als ich das erste Mal mit dem Zug dort durchgefahren bin, war alles dunkelgrau bis schwarz, die Fabrikgebäude, Wohnhäuser, Schafe und Ziegen, alles, und aus den riesigen Industrieschloten kam gelblich-rosa Rauch. Die Luft war fast nicht zu atmen, die Leute hatten eine signifikant niedrigere Lebenserwartung. Aber wie gesagt, 1939 war das sicher ein noch recht normales Kleinstädtchen.

    Die Musik ist nervig, aber die kann man ja ausschalten.

    Diese Reiseaufnahmen sind der Wahnsinn! Dieses Video wurde mir ebenfalls vor ein paar Tagen von YouTube vorgeschlagen (ohne dass ich danach gesucht hätte) und ich blieb gleich für längere Zeit daran hängen... ein wirklich außergewöhnliches Zeitdokument in Originalfarbe, das einem eine erstaunlich realistische Vorstellung davon gibt, wie es damals in Siebenbürgen ausgesehen hat. Ich kam das erste Mal 1991 nach Siebenbürgen und war seitdem sehr oft dort; damals Anfang der 90er waren einige Situationen in den Dörfern gar nicht so weit davon entfernt, was man in dem Film sehen kann, und trotzdem sind diese Aufnahmen wie ein Fenster in eine andere Welt. Höchst empfehlenswert!

    Die schon seit einigen Jahren wegen Baufälligkeit geschlossene Damenstiftkirche (siehe meine Galerie) soll nun endlich auch innen saniert werden, nachdem die Restaurierung der Fassade größtenteils abgeschlossen ist. Nach mehreren Jahren des Stillstands stehen nun endlich die Fördermittel vonseiten des Bayerischen Staates, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Erzdiözese München und Freising bereit, doch für die Deckung der Gesamtkosten von 2,6 Mio Euro fehlen leider immer noch 900.000 €, die die Eigentümerin, die Stiftung Damenstift, nicht alleine aufbringen kann. Aus diesem Grund hat die Stiftung jetzt eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die fehlenden Mittel aus privaten Spenden zu gewinnen. Es gibt eine Website mit allen Informationen und einem schön gemachten Video, das die Bedeutung der Damenstiftkirche sowohl aus historischer als auch liturgischer Sicht erklärt:

    Damenstiftskirche St. Anna retten - München

    Es wäre schön, wenn der ein oder andere etwas spenden könnte, vielen Dank!

    Ich bin dabei, mit einigen Mitstreitern der Ortsgruppe München etwas auf die Beine zu stellen, um die geplante Umgestaltung der Ludwigstraße zu verhindern. Nach anfänglichem Schock bin ich inzwischen gar nicht mehr so schlechter Dinge, dass zumindest die angedachte Lösung verhindert werden kann, da sich durchaus auch von höherer Stelle schon Protest regt und sich vor allem Herr Pfeil vom Landesdenkmalamt unerwartet deutlich dagegen ausgesprochen hat. Was die Ortsgruppe München betrifft, so bin ich allerdings enttäuscht, dass sich einige entweder offen für eine Begrünung ausgesprochen haben, weil die jetzige Straße teilweise so "öde" sei oder aus Angst vor der momentan in der "Zeit" laufenden Kampagne gegen klassische Architektur im Zusammenhang mit der AfD einen Protest gegen die grünen Pläne ganz vermeiden möchten. Es ist teilweise wirklich schwierig mit uns Deutschen.

    Ich kann Jakobs Punkt nachvollziehen, finde aber auch die Handwerkerpreise generell zu hoch - ich kann natürlich mitnichten die für den Maurischen Kiosk durchgeführten Arbeiten beurteilen, aber von ähnlichen Arbeiten aus der Residenz München sind mir die Preise bekannt und ich frage mich immer, wie die Handwerksbetriebe dazu kommen, so viel Geld zu verlangen... auch im Privatbereich kosten selbst einfachste Arbeiten inzwischen ein Heidengeld und dabei jammern die Handwerker immer noch, dass es ihnen so schlecht geht. Im Musikbereich, in dem ich tätig bin, werden hingegen wirklich Hungerlöhne bezahlt, obwohl die Ausbildung als klassischer Musiker viel länger und in den meisten Fällen auch viel schwieriger ist als selbst bei Kunsthandwerkern. Ich komme mir da schon lange verarscht vor.

    Ich bin ja ein großer Wienfan, aber die meisten der alten Fotos von Wien, die ich habe, sind in Büchern, die ich erst einscannen müsste. Ein altes Foto hab ich aber auf meinem Rechner gefunden:

    Stephansplatz.jpg

    Es zeigt den Stephansplatz in Richtung Rotenturmstraße um ca. 1860, bevor die linke Häuserzeile und das Haus ganz rechts abgerissen wurde. Halbrechts sieht man die Fassade des Stephansdoms.

    Ein Höhepunkt war die Kapelle:

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    Es gibt nebenan noch einen protestantischen Gebetsraum, der aber völlig schlicht und architektonisch uninteressant ist - daran sieht man, wie zumindest damals die Konfessionsverhältnisse in München waren ;)

    Das war's! Es gibt in diesem riesigen Gebäude noch unendlich viele alte Gänge und einige Nebentreppen, die ich nicht gezeigt bzw. auch nicht alle gesehen habe; schade ist, dass ich leider kein Foto des Vestibüls habe, das sehr schön ist, aber vor der Führung so überfüllt war, dass ein sinnvolles Foto nicht möglich war. Man wird sehen, wie die LMU das Innere für die neue Nutzung umbauen wird, hoffentlich belassen sie so viel wie möglich vom alten Charme.

    Die meisten normalen Säle und Zimmer waren leer, aber in einigen ehemaligen Patientenzimmern waren noch ein paar alte Möbel aufgestellt, die andeuteten, dass zumindest einige der Zimmer eine recht wohnliche Atmosphäre besessen haben mussten:

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    Sehr interessant war das ehemalige Direktorenbüro samt angrenzender Bibliothek, das irgendwie noch eine Atmosphäre wie aus einem 30er-bis-50er-Jahre-Film ausstrahlte:

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    Die Bibliothek ist eine Schau:

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    Ich liebe solche alten Innenräume!

    Ich möchte noch einige Fotos von der ehemaligen Frauenklinik in der Maistraße in der Isarvorstadt zeigen, die man beim letztjährigen Denkmaltag besichtigen konnte.
    Das Gebäude war leergeräumt, da die Klinik bereits 2021 in einen Neubau in der Ziemssenstraße (und teilweise auch nach Großhadern) umgezogen war, so konnte man also durch größtenteils leere Räume flanieren, wobei einige denkmalgeschützte historische Ausstattungen verblieben waren, die bei der zukünftigen Nutzung als Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik durch die LMU weiterverwendet werden sollen. Die Gesamtanlage, eine Vierflügelanlage mit zwei Innenhöfen, stammt vom Anfang des 20. Jhs und wurde 1916 eröffnet (sie löste die vorherige Frauengebäranstalt in der Sonnenstraße ab); sie ist ein schönes Beispiel der damaligen großzügigen und klosterähnlichen Krankenhausarchitektur und wurde im Weltkrieg kaum beschädigt. Vor allem der große Innenhof ist von einer berückenden Schönheit, so etwas habe ich in einem modernen Krankenhaus noch nie gesehen.

    Die Fassade an der Maistraße:

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    Der Innenhof:

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    Die große halbrunde Ausbuchtung auf dem folgenden Foto gehört zum Hörsaal, denn die Frauenklinik war von Anfang an Teil der Universität:

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    Der Chor der Spitalkapelle:

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    Ich kann mich erinnern, dass mir die Wiedervereinigung 1990 (da war ich 14) völlig egal war und ich zum ersten Mal in meinem Leben darüber nachdachte, was Deutschland eigentlich war... für mich als Oberbayer, der eine halbe Stunde von der österreichischen und eineinhalb Stunden von der italienischen Grenze aufwuchs, waren die neuen Bundesländer ein völlig unbekanntes und wie in einer anderen Galaxie gelegenes Terrain, mit dessen Existenz ich mich niemals befasst hatte und zu dem ich überhaupt keine Beziehung hatte. Der eigene Blick (und der nahezu meines gesamten Umfeldes) umfasste Süddeutschland und ging ansonsten hauptsächlich nach Südosten die Donau hinab nach Österreich und natürlich in das geliebte Italien. Tirol gehört für einen Oberbayern zur näheren Heimat, das ist kein Ausland, auch wenn die Tiroler mitunter ein bisserl schwierig im Umgang sind. Vom Rest Deutschlands hatten wir Altbayern erstaunlich wenig Ahnung und natürlich wenig Interesse... ich hab mal in einem Buch über die Kulturgeschichte Bayerns gelesen, dass dies hauptsächlich an der konfessionellen Teilung Deutschlands liegt und Bayern in den Jahrhunderten nach der Reformation kaum Kontakt zu anderen, protestantischen Teilen Deutschlands hatte, weswegen sich eine gewisse Entfremdung bis hin zu offener Ablehnung gebildet hat. Mein Vater war hingegen hocherfreut über die Wiedervereinigung, was mir total komisch vorkam, weil die Teilung Deutschlands bzw. die Gebietsverluste im Osten bei uns zuhause kaum ein Thema gewesen waren, mit einer Ausnahme: die Geschichte der Sudetendeutschen war natürlich sehr präsent, weil diese gerade nach Bayern sehr zahlreich geflohen waren und auch in meinem Elternhaus nach dem Krieg zeitweise drei Familien gleichzeitig einquartiert waren... eine alte Frau lebte sogar noch in unserem Haus, als ich ein Kind war, sie musste dann aber in ein Altersheim, weil sie sich nicht mehr alleine versorgen konnte. Ansonsten war in unserer Gesellschaft der Verlust Südtirols und die zeitweise sehr schwierige politische und ökonomische Situation der Südtiroler ein viel größeres Thema als der Osten Deutschlands.

    Edit: dieser Beitrag kann gerne in einen geeigneteren Faden verschoben werden.

    Ja, da hast du recht, diese Ornamente sind deutlich mitteleuropäisch. Aber ansonsten schaut's schon ziemlich nach den typischen italienischen Wohnhäusern des 19.Jhs aus (natürlich mit Ausnahme des Erkers, den es in Italien nahezu überhaupt nicht gibt - sie haben nicht mal ein eigenes Wort dafür).

    Dass viele damalige kleinere und mittlere Städte noch ohne störende Gewerbe- und Industriebebauung direkt an die Natur anschlossen, war unglaublich schön und dass dies heutzutage kaum bis gar nicht mehr der Fall ist, ist einer der allergrößten Verluste der modernen Zeit. Diese Bilder strahlen eine unglaubliche Heimeligkeit aus, die es heute nicht mehr gibt.