Beiträge von Heimdall

    Meine waren schon immer schwarz lackiert. Sie finden sich auch so auf alten Familienfotos. Die habe ich so von meinen Eltern übernommen, und die haben keine Möbel selbst gestrichen. (Abgesehen von einem Büro-Metallschrank, der für das Kinderzimmer bunt bemalt wurde.)

    Also, ich habe mal zwei ältere Fotos recherchiert.

    Am ersten Foto steht, das sei aus den 50/60er Jahren. Da ist rechts schon das Kaufhof-Gebäude so zu sehen, wie bislang. Ob das Foto wirklich aus den 60ern ist, vermag ich nicht zu sagen. Es könnte auch aus den 70ern sein. Hinsichtlich der 80er kann ich mich statt des Neckermann-Geschäfts links nur an den Karstadt erinnern, der diesem folgte. Ich denke also, dass das Bild vor den 80ern entstand, somit die Fassade zumindest bereits in den 70ern so aussah:

    Ein zweites Foto, auf dem das Gebäude links zu sehen ist. Dass die Lamellenbänder heller wirken, hat meines Erachtens nur mit der Fotoqualität zu tun. Das Foto ist von 1977. Ich sehe an den Lichtseilen die Hinweisschilder zur 1000-Jahr-Feier der Stadt. Die Stadt ist 977 erstmals erwähnt worden. Damals gab es die Fassade also schon.

    Historie: So sah die Station Mitte früher aus
    Ein Gebäude im Wandel der Zeit: Die Station Mitte hat schon einiges erlebt, denn der älteste Gebäudeteil ist bereits mehr als 100 Jahre alt.
    www.offenbach.de

    Im Zuge des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes zur "Station Mitte" mit neuer Stadtbücherei werden nun doch die erhaltenen Reste der unter den Aluminiumplatten verborgenen historischen Sandsteinfassade freigelegt und renoviert, was eine große Aufwertung der Innenstadt ist:

    So sah das Gebäude bislang aus: https://www.offenbach.de/unternehmen/zu…-20.01.2024.php

    In Potsdam hat es in einer vierstöckigen Villa an der Berliner Straße gebrannt. Zur Brandursache ist noch nichts bekannt. Aber es ist bezeichnend, dass derlei häufig bei Leerstands- und Spekulationsimmobilien passiert.

    Die B.Z. listet die unheilvolle Spekulantenhistorie auf:

    Zitat

    Die Tummeley-Villa mit dem jetzt abgebrannten Backstein-Bau ist im Jahr 2006 durch den Energiekonzern Eon an die Volkswagen AG verkauft worden. 2012 kaufte Unternehmer Daniel Jung das Gebäude-Ensemble von Volkswagen. Der verkaufte es dann 2016 an die Berliner Bauprojektgesellschaft Sanus AG.

    Die wiederum verkaufte das Ensemble an den Berliner Traglufthallen-Unternehmer Jürgen Wowra, der das Haus zum Hauptsitz der von ihm gegründeten Tao-Stiftung machen wollte. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung für Tierwohl, Umwelt, Wissenschaft und Gesundheit.

    Pläne dazu liegen seit Jahren in der Schublade. Passiert ist aber bislang nichts. Das Haus stand nach Angaben von Anwohnern weiterhin leer.

    Ein Immobilienspekulant reicht dem nächsten die Klinke. Währenddessen geht die Bausubstanz kaputt.

    Ich bin ja pro Marktwirtschaft, aber in solchen offenkundigen Spekulationsfällen wäre ich für Enteignungen. Dann soll es eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft übereignet bekommen, mit der Vorgabe, dort Sozialwohnungen zu errichten. Gerade angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt.

    Brand in Potsdamer Villa – Feuerwehr rettet eine Person

    https://www.bz-berlin.de/polizei/brand-in-potsdamer-villa-feuerwehr

    Aber was erwartet Ihr?

    Ich erwarte gar nichts. Aber ich wünsche mir schon Straßen und Plätze, die trotz Verkehr attraktiv und am besten noch mit lokalem Colorit gestaltet werden. Das hat man ja früher und an anderer Stelle mit einem gewissen Gestaltungswillen auch irgendwie hinbekommen. Erst dieses Jahr war ich zum Beispiel in Lissabon auf der Praca Francisco Sa Carneiro aus den 50er Jahren. Den Link zu Google Maps kann man drehen und sich den ganzen Platz angucken. (Hier) So etwas hätte man, natürlich mit Nürnberger Eigenheiten, auch am Plärrer hinbekommen können, wenn der Wille dazu da wäre.

    Brandinferno in Hongkong... Erstaunlich, dass in dem High-Tech-Land Baugerüste an Hochhäusern noch aus Bambus errichtet werden. Oder haben das die "Grünen" dort so angeordnet?...

    Entsetzen nach Feuer in Hongkong: "Meine ganze Familie ist dort drinnen"

    Entsetzen nach Feuer in Hongkong: "Meine ganze Familie ist dort drinnen"
    Nach dem Hochhausbrand in Hongkong wird das Ausmaß der Katastrophe immer deutlicher. Die Behörden wollen den Grund für das Feuer ermitteln - und haben erste…
    www.gmx.net

    Als ich den Google-Maps-Link anklickte, dachte ich erst, irgendeine große Straßenkreuzung in Berlin oder im Ruhrgebiet sei gezeigt. Nur das eine erhaltene Haus im Alt-Nürnberger Stil verwies auf den wahren Ort. Schrecklich. Wie kann man als Stadtplaner und Architekt eigentlich damit leben und sterben, so etwas verbrochen und hinterlassen zu haben?

    Das wird auch Auswirkungen auf Denkmalschutz, Sanierungen und Bauvorhaben haben. Öffentlich finanzierte Rekonstruktionen sind ebenfalls für die nähere Zukunft passé. Es sind die Früchte Jahre langer falscher politischer Weichenstellungen, die nun geerntet werden...


    Finanznot der Kommunen. „Ich habe wirklich Angst“ – Landkreis-Chef sieht Demokratie in Gefahr

    Finanznot der Kommunen: „Ich habe wirklich Angst“ – Landkreis-Chef sieht Demokratie in Gefahr - WELT
    ÖPNV, Schulen, Jugendhilfe: Der Präsident des Deutschen Landkreistages warnt mit dramatischen Worten vor schwerwiegenden Folgen finanzieller Engpässe in…
    www.welt.de

    Ich weiß nicht, ob es hierhin passt. Aber die Deutsche Stiftung Denkmalschutz macht sich Gedanken um die Abnahme der Wertschätzung von Baudenkmälern in der Öffentlichkeit.

    Wert von Denkmalen ist laut Stiftung Denkmalschutz nicht mehr fest in Gesellschaft verankert

    Es werden leider kaum Ursachen genannt. Ich könnte ein paar mögliche Ursachen in die Diskussion werfen:

    a. Vergangenheitspolitik. Erst vor wenigen Tagen erzählte mir ein Bekannter: "Bei uns war nach Karl dem Großen mit dem Geschichtsunterricht Schluss, und danach wurde Jahre lang nur noch Hitler durchgenommen." Ich hätte ihm antworten können, dass bei mir schon mit den Römern Schluss war, um dann zum einzig wichtigen Teil der Geschichte über zu gehen. Und heute gibt es immer noch genug Leute, die oft aus tagespolitischen Interessen heraus jedes neue NS-Denkmal und jeden Stolperstein beklatschen, ohne sich um die mentalen Folgen wirklich Gedanken zu machen.

    Also, ich weiß natürlich nicht, wie umfassend die schulische Bildung in Geschichte und Kunstgeschichte heutzutage abläuft, kann mir aber kaum vorstellen, dass es in der Breite sehr viel besser aussieht. Geschichte setzt oft 1933 ein, um dann in der Bundesrepublik und dem Bauhaus/Neuem Bauen als Höhepunkte deutscher Glorie zu enden. Das Wissen über die Zeit davor ist rudimentär und vermutlich auch nicht wirklich gewollt.

    b. Demographische Veränderungen. Es wächst eine junge Generation heran, deren familiäre Wurzeln teils gar nicht in der hiesigen Kultur liegen. Das ist eine zusätzliche Barriere zum Zugang zu einem Bewusstsein für das bauliche Erbe. Außerdem machen Überalterung und Abwanderung in ländlichen Teilen Deutschlands die Nutzung von Baudenkmalen schwerer.

    c. Ökonomische Krise. Durch die Verteuerung von Energie und die Verteuerung des Bauens sind Denkmalimmobilien ein belastender Kostenfaktor, der trotz Förderungen zu Buche schlägt. Viele Leute haben dafür nicht das Geld oder wollen es nicht für Erwerb, Unterhalt und Sanierung einer solchen Immobilie ausgeben. Auch versinkt die öffentliche Hand zunehmend im Schuldensumpf, um Sozialstaat, Renten, Rüstung, Entwicklungshilfe, linke NGOs, Ukraine-Wiederaufbau usw. noch irgendwie meistern zu können, so dass die freien Gelder für Denkmalschutz geringer werden. Hinzu kommt, dass im heutigen Architekturdiskurs faktisch nur noch das Thema "Bauturbo" (mehr Neubauten; für Zuwanderer, was aber nicht gesagt wird), Flächeneffizienz und Klimaneutralität/Energetische Sanierung eine Rolle spielen.

    d. Medienrevolution. Durch die Allgegenwart Sozialer Medien findet eine ablenkende Überflutung mit Bildern statt. Kontemplation, vor allem noch auf Baudenkmale, findet immer weniger statt. Hinzu wird bei Instagram und Co. gerne ein Lebensstil propagiert, der sich zwischen Hochhausapartment in Dubai und Strandvilla im Bauhaus-Stil bewegt. Schon "die Geissens" präsentieren diesen völlig amerikanisierten Geschmack. Diese Familie ist also kaum in einem Fachwerkhaus oder in einer stilechten Gründerzeitwohnung vorstellbar.

    Diese ganze Gemengelage macht es so viel schwerer, Denkmäler zu schützen. Schwere Zeiten kommen auch an dieser Stelle auf Deutschland zu.

    Der "schwarze Adler" wird saniert und zu einem Hotelkomplex umgebaut. Das modernistische Dach ist die Kröte, die dafür zu schlucken ist.

    Start | Schwarzer Adler

    🏨 Die konkreten Pläne für den Schwarzen Adler
    Lesen Sie in folgendem Beitrag, wie das verfallene Gebäude bald wieder das beste Haus am Platze werden soll. 🕑 Lesezeit: 3 Minuten Das Gerücht hält sich seit…
    stadtrats.blog

    https://www.pirna-tv.de/2025/11/21/baustart-fuer-das-projekt-zum-schwarzen-adler/

    ----------------------------------


    Außerdem wird in Pirna-Rottwerndorf das Schloss restauriert.

    Schloss | Pirna-Rottwerndorf

    Man sieht sofort, dass man in Württemberg ist. Das Ortsbild wirkt in Teilen lieblos und ungepflegt. Die historischen Häuser haben modern-praktische ungeteilte Fenster. Teils wurden Gebäude übersaniert, womöglich gar gedämmt, damit sie wie belanglose 60er-Jahre-Häuser aussehen. Es fehlen, zumindest teilweise, die Fensterläden. Ein Haus hat die unvermeidlichen 70er-Jahre-Patinakacheln an den Sockel geklebt. Und Stuttgarter Straße 8 scheint leer zu stehen, dürfte somit dem Risiko ausgesetzt sein, demnächst als "Schandfleck" abgerissen und durch einen praktischen Neubau ersetzt zu werden...

    Sehr traurig, da die Stadt mehr Potenzial hätte.

    Während gerade im Stadtbild-Forum Phantomdiskussionen der Machtlosen im "ich wünsch mir was"-Stil laufen, haben andere Personen Macht und Einfluss. Zum Beispiel Philipp Sturm, ein klarer Anti-Rekonstruktions-Modernist aus dem Cachola-Schmal-Stall des Architektur-Museums. Dieser ist nun Leiter der Stabsstelle Paulskirche/Haus der Demokratie. Da sollten eigentlich alle Alarmglocken läuten, denn er präferiert die Nutzung des Rathaus-Nordbaus/Kämmerei als "Haus der Demokratie", inklusive eines neuen Modernisten-Daches als "zeichenhaftes Element mit hoher Aufenthaltsqualität" (man kann sich diesen Horror schon vorstellen, zumal der bereits vielfach im Stadtgebiet auf Altbaufassaden zu bewundern ist). Und natürlich soll das Dach noch - ganz zeitgeistkonform - intensiv begrünt werden. Wenn das kommt, ist jede Überlegung hinsichtlich der eigentlich gebotenen Wiederherstellung der historischen Dachstruktur dieses Gebäudes hinfällig. Und die "Stadtbild"-Traumtänzer können wieder die "Stadtbild"-Jammerlappen spielen. Es bleibt einzig zu hoffen, dass ihnen das Geld schneller ausgeht, als die Planungen für ein "Haus der Demokratie" zu Ende geführt werden können.

    Haus der Demokratie: Hoffen auf „inspirierende Architektur“
    Das in Frankfurt geplante Haus der Demokratie soll ins Kämmereigebäude neben der Paulskirche ziehen. Der Städtebaubeirat wünscht sich, dass dort ein Ort der…
    www.msn.com