Ich weiß nicht, ob es hierhin passt. Aber die Deutsche Stiftung Denkmalschutz macht sich Gedanken um die Abnahme der Wertschätzung von Baudenkmälern in der Öffentlichkeit.
Wert von Denkmalen ist laut Stiftung Denkmalschutz nicht mehr fest in Gesellschaft verankert
Es werden leider kaum Ursachen genannt. Ich könnte ein paar mögliche Ursachen in die Diskussion werfen:
a. Vergangenheitspolitik. Erst vor wenigen Tagen erzählte mir ein Bekannter: "Bei uns war nach Karl dem Großen mit dem Geschichtsunterricht Schluss, und danach wurde Jahre lang nur noch Hitler durchgenommen." Ich hätte ihm antworten können, dass bei mir schon mit den Römern Schluss war, um dann zum einzig wichtigen Teil der Geschichte über zu gehen. Und heute gibt es immer noch genug Leute, die oft aus tagespolitischen Interessen heraus jedes neue NS-Denkmal und jeden Stolperstein beklatschen, ohne sich um die mentalen Folgen wirklich Gedanken zu machen.
Also, ich weiß natürlich nicht, wie umfassend die schulische Bildung in Geschichte und Kunstgeschichte heutzutage abläuft, kann mir aber kaum vorstellen, dass es in der Breite sehr viel besser aussieht. Geschichte setzt oft 1933 ein, um dann in der Bundesrepublik und dem Bauhaus/Neuem Bauen als Höhepunkte deutscher Glorie zu enden. Das Wissen über die Zeit davor ist rudimentär und vermutlich auch nicht wirklich gewollt.
b. Demographische Veränderungen. Es wächst eine junge Generation heran, deren familiäre Wurzeln teils gar nicht in der hiesigen Kultur liegen. Das ist eine zusätzliche Barriere zum Zugang zu einem Bewusstsein für das bauliche Erbe. Außerdem machen Überalterung und Abwanderung in ländlichen Teilen Deutschlands die Nutzung von Baudenkmalen schwerer.
c. Ökonomische Krise. Durch die Verteuerung von Energie und die Verteuerung des Bauens sind Denkmalimmobilien ein belastender Kostenfaktor, der trotz Förderungen zu Buche schlägt. Viele Leute haben dafür nicht das Geld oder wollen es nicht für Erwerb, Unterhalt und Sanierung einer solchen Immobilie ausgeben. Auch versinkt die öffentliche Hand zunehmend im Schuldensumpf, um Sozialstaat, Renten, Rüstung, Entwicklungshilfe, linke NGOs, Ukraine-Wiederaufbau usw. noch irgendwie meistern zu können, so dass die freien Gelder für Denkmalschutz geringer werden. Hinzu kommt, dass im heutigen Architekturdiskurs faktisch nur noch das Thema "Bauturbo" (mehr Neubauten; für Zuwanderer, was aber nicht gesagt wird), Flächeneffizienz und Klimaneutralität/Energetische Sanierung eine Rolle spielen.
d. Medienrevolution. Durch die Allgegenwart Sozialer Medien findet eine ablenkende Überflutung mit Bildern statt. Kontemplation, vor allem noch auf Baudenkmale, findet immer weniger statt. Hinzu wird bei Instagram und Co. gerne ein Lebensstil propagiert, der sich zwischen Hochhausapartment in Dubai und Strandvilla im Bauhaus-Stil bewegt. Schon "die Geissens" präsentieren diesen völlig amerikanisierten Geschmack. Diese Familie ist also kaum in einem Fachwerkhaus oder in einer stilechten Gründerzeitwohnung vorstellbar.
Diese ganze Gemengelage macht es so viel schwerer, Denkmäler zu schützen. Schwere Zeiten kommen auch an dieser Stelle auf Deutschland zu.