Beiträge von Loggia

    In Lissabon (Baixa) sah ich 1990 noch ruinösere Häuser, bei denen die Holztreppen schon abgefallen waren und das Dach halb kaputt, die aber gleichwohl noch bewohnt waren. Es liegt wohl zum einen an den Gesetzen, die das Renovieren zu teuer machen, zum anderen auch an der Feuchtigkeit, die recht schnell für Moder sorgt.

    Die älteren Häuser in Rio sehen sehr portugiesisch aus, insofern denke ich, daß da auch die Gesetze und das Klima ähnlich sind wie in Lissabon.

    Verschandelt? Verdichtet. Da leben heute x-mal so viele Leute wie damals. Ich finde es sehr leer, vor allem der Film von 1936 macht auf mich den Eindruck eines großstädtisch angelegten Straßennetzes, das aber noch in der Bauentwicklungsphase steckt. Zwischendrin sieht man immer wieder wenig schöne Hochhausblöcke - offenbar Neubauten. Die breite Avenida ähnelt sehr denen in Lissabon mit dem zweifarbig gemusterten Straßenpflaster, und den wuchtigen, aber relativ niedrigen Säulen und Gebäuden. Von um 1900 scheinen nur wenige große Wohnhäuser oder Hotels zu sein. Die Panoramabilder wirken "menschenleer", nur einige wenige hingewürfelte Häuser an der Küstenstraße, keine eigentliche Stadtkante.

    Berlin wurde zwischen 1880 und 1920 zur Großstadt, Rio de Janeiro offenbar einige Jahrzehnte später. Wenn ich die Bilder so anschaue, denke ich, so ähnlich könnte Charlottenburg um 1900 gewesen sein.

    Die Optik ist schon weitgehend dahin mit den Bauten an der Flanke. Nun werden Klötze in den Garten gestellt (der Schwarzplan ist interessant: was ist das paragraphenförmige Gebäude?) wie in vielen Villenvierteln anderswo.

    Alles in allem wirkt der Ort (noch) recht gemütlich, das Mühlentor und die Mühlengasse und das spektakuläre Jugendstilhaus Herrengasse Ecke Rathausgasse gefallen mir. Aber die furchtbaren 60er-und 70er-Jahre-Kästen immer zwischendrin. Muß denn das sein. Hätte man nicht was Passenderes bauen können. Ich habe den Eindruck, in Österreich ist es mit der Zerrupftheit der Bebauung mindestens so schlimm wie in Deutschland.

    Zum vorigen Bild Blick vom Hauptbahnhof in die untere Königstraße, um 1930.:

    da ist ja rechts als 2. Haus genau so ein grusliger Kasten mit Fensterbändern zu sehen, wie sie dann in den 1960ern ff massenhaft gebaut wurden! In Stuttgart fing diese Innenstadtverschandelung also schon vor 1930 an!

    Jakob: Ja, das wollte ich auch schon einstellen (aber eher unter "Tiny House"). In den USA gibt es diesen Bautyp schon länger, in der Halbwüste von Utah (oder war es ein angrenzender Staat, ich weiß es nicht mehr genau) sah ich vor ca. 10 jahren solcherart Fertighäuser, die auf Lastwagen geliefert werden, in der Einöde herumstehen. Ich frage mich nur, wie das mit dem Wasser- und Gülleanschluß dann funktioniert. Stromanschluß gibt es in den USA so ziemlich überall, allerdings mit Masten und durchhängenden Leitungen, die denn bei Sturm oder Winter gern auch mal durchbrechen. Auch in der Großstadt Las Vegas übrigens, 2 Straßen neben der stets abgebildeten Hauptstraße mit unsichtbar verlegten Leitungen.

    Ich meine, in Europa hatte man früher Zisternen und Sickergruben... aber wie macht man das in der Wüste?

    Jakob: Jein. Ich finde, daß Augsburg wie Ulm durchaus (mitunter) so einen Zug zu "glatten Häusern" im Stadtbild hat, dieser also nicht völlig "stadtfremd" ist. Und speziell auf dieser Ecke scheint ja schon um 1890 der Umbau hin zu größeren Stadthäusern angefangen zu haben, dann aber steckengeblieben zu sein (wenn ich die angeschnittenen Nachbarhäuser richtig deute). Durch die Neubauten wurde die Straße nun zu "Wohngebiet" vereinheitlicht, ein Vorgang, der so etwa 150 Jahre umfaßte. Daß Fassaden der Häuser zu durchgehend-gleichförmig sind, finde ich auch, aber das wäre verhältnismäßig leicht nachträglich nachzubessern. Den Zeitgeist oder die gerade laufende Architekturmode kann man schwer fernhalten bei Neubauten - ich finde, bei diesen Häusern tritt das noch verhältnismäßig dezent auf.

    Tja, ich bin da hin- und hergerissen. Die neuen Häuser sind halt größer, bieten also mehr Platz, und sehen auch ziemlich gut aus - vielleicht ein bißchen zu einheitlich, aber sie passen ins Stadtbild. Selbst der Durchschlupf wurde gewahrt. Die alte Bebauung vorher war halt noch Gewerbe und ein bißchen vorstädtisch, jetzt ist es rein städtische Wohnbebauung.