Als vorläufigen Abschluß gibt es noch einen leider recht kurzen Abstecher in die Wilhelmstadt (die Bezeichnung ist noch in Form des gleichnamigen Platzes präsent), heute Stadtfeld genannt und seit 1991 in Ost und West aufgegliedert.
Leider wurde der Rundgang deutlich kürzer als geplant, ich hatte an dem Tag eine starke Erkältung und hätte nicht gedacht, überhaupt das Hotel verlassen zu können (daher gibt es sicher später noch mehr Aufnahmen, vielleicht sogar schon dieses Jahr).
Außerdem schweigt sich mein Architekturführer fast vollständig über diesen Stadtteil aus, obwohl sonst quasi jedes Einkaufszentrum am Stadtrand beschrieben wird.
Das Areal lag im westlichen Vorgelände der Festung Magdeburg und unterlag daher starken Baubeschränkungen in Form des Reichsrayongesetzes, das heißt, die Gebäude mußten im Falle eines Falles schnell demontiert werden - die Rayonhäuser entstanden, die innerhalb einer festgelegten Frist abgebaut werden konnten (und günstig in der Herstellung waren, heute würde man dort wohl Tiny Houses errichten ...). Vor Ort gibt es aber nur noch ein einziges Rayonhaus, alle anderen Magdeburger Rayonhäuser befinden sich in anderen Stadtteilen.
Im Jahr 1896 wurden die Beschränkungen aufgehoben und eine rege Bautätigkeit setzte ein, bebaut wurde vor allem der südlichere Teil sowie das Areal rund um die Schrote, ein winziges Bächlein, das bei meinem Besuch kein Wasser führte.
Wirklich komplett bebaut wurde das Areal vor dem Ersten Weltkrieg nicht, die Bebauung ist meist etwas schlichter als z. B. im Hasselbachplatzviertel und geht schon in Richtung Späthistorismus. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden große Siedlungen, z. B. Westernplan und vor allem die Hermann-Beims-Siedlung (was mich wieder zu der Frage bringt - warum reden alle über das Bauhaus und fast niemand über die Stadt des neuen Bauwillens Magdeburg oder das Neue Frankfurt?).
Im Zweiten Weltkrieg gab es lokal Schäden, z. B. an der Großen Diesdorfer Straße, flächendeckende Schäden gab es aber nicht. Dafür einiges an Verfall und Abriß zu DDR-Zeiten und auch jede Menge der typischen DDR-Zeilen und Plattenbauten, dankenswerterweise entweder relativ gut versteckt oder in Randlage (meist Stadtfeld West).
Ein Übersichtplan:

Das Areal rund um die Schrote hat mich sehr stark an den Süden Tübingens erinnert, mit der Steinlach, allerdings ist die Steinlach deutlich größer und die Bebauung eher noch weniger historisch.
Ich habe gerade noch ein Bild von Tübingen herausgekramt und muß zugeben, daß die Ähnlichkeit eher entfernt gegeben ist, die Anlage als solche mit einem Grünstreifen mit Bach in der Mitte ist aber prinzipiell dieselbe.


























