Brandwände und Wandbilder

  • Einige originell gestaltete Brandwände und Wandbilder, die ich im Laufe der Zeit knipste...

    Kiew

    Athen

    Piräus, Hafengelände

    Fulda

    Frankfurt a.M., Miquelallee

    Frankfurt, Stiftstraße (Das Bild ist mittlerweile nicht mehr sichtbar, weil das Nachbargrundstück bebaut wurde.)

    Dieser Ort ist mir nicht mehr bekannt. Womöglich aber ist es in Frankfurt.

    Offenbach, Friedrichstraße

    Offenbach, Nordring

    Offenbach, Odenwaldring (ganz frisch aufgenommen. Man sieht noch den Künstler bei der Arbeit)

  • In Berlin (West) war das in den 70ern mal schwer Mode, Brandwände zu bemalen. Wurde wohl auch eigens als "Kunst am Bau" gefördert. In der Nähe gab es auf einer Brandmauer einen aufgemalten Riesen-Reißverschluß. Der ist aber seit ca. 5 Jahren hinter Fassadendämmung verschwunden. Was noch erhalten ist aus dem späten 20. Jhdt, so muß man ja inzwischen sagen, ist eine aufgemalte Fassade an der Brandmauer des ältesten Neubaus, ca. von 1870 (?), an der Ecke Bismarckstr/Rückertstr.: dieses Haus wurde wohl vor der endgültigen Trassenfestlegung der späteren Bismarckstr. gebaut, und steht somit falsch, hat zur Straße hin eine Brandwand, wo man wohl dachte, daß sich noch ein anderes Haus anschließen würde, aber da kam dann die breite Straße hin.

  • Ein paar Beispiele aus München-Neuhausen

    Dachauer Straße bei der Hochschule München:

    dachauer_str_100_100a_l_P1110070.jpeg


    Das finde ich einigermaßen gelungen. Im Grunde geschmacklos, aber fröhlich, bunt, nimmt alle mit. Die Frankfurter bzw. Offenbacher Beispiele sind mir überwiegend zu bedeutungsschwer, zu lastend. Mir ist in freudloser Umgebung eine lebensfrohe Dekoration lieber, nicht diese aufgeblasene Möchtegern-Kunst.

  • Ein Goethe-Haupt mit Schopenhauer-Koteletten.

    Hauswände im Comic-Style sind nicht so nach meinem Geschmack, weil das von Haus aus viele nicht anspricht. Es kann nie allen gefallen, aber ´das Glück der größten Zahl´ müsste man bei solchen Malereien, die man dem Betrachter quasi täglich aufdrängt, immer im Auge haben. Leicht und heiter ist auch eine Kunst.

    Das Frankfurter Zausel-Beispiel ist natürlich nicht gut gemacht, die Schmierereien drumherum geben ihm dann den Rest.

  • Zu den weiter oben von mir eingestellten Wandbildern aus M von der Donnersberger Brücke und Landshuter Allee finden sich hier noch ein wenig Infos:
    Murals in München: Orte mit spektakulären Graffitis | SWM Magazin

    Heute bin ich erstmalig am "wohl größten Mural der Stadt" in Giesing vorbeigefahren, in Erinnerung an Kurt Eisner und co (von 2019):
    c-magazin-swm-street-art-mural-tegernseer-landstrasse.jpg (1200×630)


    Zwei Jahre älter, Georg Elser gewidmet, ist dieses Wandgemälde unweit vom Hauptbahnhof:



    Georg-Elser-Wandgemälde am Münchner Pressehaus: Who‘s who auf Münchens größtem Graffito? (merkur.de)

    Graffito-Denkmal für Georg Elser in München (georg-elser-arbeitskreis.de)

  • Bemerkenswert ist der Kult um Elser, immerhin ein Massenmörder. Neben mehreren NSDAP-Mitgliedern, die ja per se deshalb noch nicht unbedingt etwas verbrochen haben, darunter ein Flötist und zwei für Auf- und Abbau technischer Apparaturen zuständige Mitarbeiter des "Reichsautozugs", ermordete er auch die politisch völlig unschuldige Aushilfskellnerin Maria Henle, für die es aber meines Wissens nach keine Gedenkstätten oder Wandbilder gibt.

    Für mich ist das Wandbild außerdem geschmacklos, weil es die Tat als ein durch Comic-Roboter und Star Trek-Figuren gerahmtes Späßchen darstellt.

    Passt der Tyrannenmord als Motiv, werden die "Kollateralopfer" mit einem Wimpernschlag nonchalant übergangen. Das Problem betrifft ja übrigens auch den 20. Juli. Ich hätte dem Attentat posthum von Herzen Erfolg gewünscht, denn es hätte viele Tote und zerstörte Städte verhindert, wenn es auch politisch nichts verändert hätte (die alliierte Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und Aufteilung Deutschlands war unumstößlich). Gleichwohl hat auch diese Tat Menschen das Leben gekostet, die womöglich keine politische Verantwortung für Krieg und NS-Verbrechen hatten. Ich denke da vor allem an den Stenograph, der sterben musste.

    Natürlich zählt in solchen gewalttätigen Zeiten ein Menschenleben weniger, weil zugleich so viele andere sterben. Und es ist eine Abwägung, ob durch die Inkaufnahme des Todes von "Kollateralopfern" nicht letztlich mehr Menschen gerettet würden. Stauffenberg hat ja zumindest Hitler im inneren Machtzirkel des Militärapparates treffen wollen. Bei Elser war es eine ziemlich willkürliche Sache, weil im Publikum zumeist Parteigenossen saßen, aber kaum Leute, die wirklich Macht hatten. Er musste also davon ausgehen, viele letztlich unschuldige Personen töten zu können.

    Ich will die ehrenhaften Motive keinesfalls in Abrede stellen, wobei Elser als Mitglied im Roten Frontkämpferbund der KPD ideologisch vorbelastet war. Aber ein Attentat hätte auch unter dem Preis des Selbstopfers und unter Vermeidung des Todes Unschuldiger durchgeführt werden können. Das wollte Elser aber nicht, floh stattdessen in Richtung Schweiz und wurde dann auf der Flucht erwischt.

    - Wenn dieser Beitrag zu off-topic erscheint oder zu heikel, weil er kritisch Überlegungen zu heutigen heiligen Kühen enthält, kann er gerne deaktiviert werden. Ich habe vollstes Verständnis für die Moderation, wollte aber dennoch mal meinen Senf dazu geben. -

  • Lieber Heimdall, ich stimme Dir ja sonst oft zu, aber hier bin ich gänzlich anderer Ansicht. Elser als Massenmörder hinzustellen, ist für mich völlig deplatziert, er handelte in absolut nachvollziehbarer Weise. Kollateralschäden sind in einem solchen Fall leider nicht vermeidbar und von daher zu entschuldigen, auch wenn es im Einzelfall natürlich tragisch sein mag; die vielen durch ein geglücktes Tyrannenattentat geretteten Menschenleben wiegen das millionenfach auf. Außerdem waren bei dieser Rede bis auf die Bedienungen lauter altgediente Nazis anwesend.
    Einen Selbstmordanschlag hätte er mit ziemlicher Sicherheit nicht durchführen können, weil er erstens niemals mit einer Waffe in eine solche Nähe zu Hitler gekommen wäre, um ihn sicher zu töten und weil er zweitens wahrscheinlich auch nicht fähig und kaltblütig genug gewesen wäre, um so einen schwierigen Anschlag, bei dem es auf Bruchteile von Sekunden ankommt, durchzuführen.
    Ich bewundere absolut seinen Mut, den ich selbst niemals aufgebracht hätte.... das Risiko, in 30 Nächten Arbeit entdeckt zu werden, muss ungeheuer gewesen sein.

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Lieber "Leonhard", vielleicht habe ich Unrecht und Du hast Recht. Ich war damals nicht anwesend, und im Rückblick ist es immer schwer, Situationen 100%-ig zu beurteilen. Insofern weiß ich natürlich nicht genau, ob es für Elser nicht möglich gewesen wäre, dort z.B. auch als Aushilfskellner anzuheuern, eine Pistole mitzunehmen und im entscheidenden Moment selbst abzudrücken, was ich völlig befürwortet hätte. Ich tue mich eben schwer mit Leuten, deren Motive zwar als edel bewertet werden, deren Mittel aber zumindest problematisch sind, vor allem wenn der Tod vieler, gar nicht direkt beteiligter Menschen in Kauf genommen wird. Also, womöglich hast Du Recht.

    Worauf ich aber auf jeden Fall beharre, ist meine Beurteilung des Wandbilds als geschmacklos. Eine solche zumindest komplex zu beurteilende Tat mit lustigen Comic-Figuren zu garnieren, wird der Tragik und Ambivalenz des Geschehens nicht gerecht.

  • Wie gesagt glaube ich, dass er es mit einer Schusswaffe nicht geschafft hätte, da er wahrscheinlich weder die Übung noch die Nerven dafür gehabt hätte. Wenn er überhaupt dazu gekommen wäre, auf Hitler zu schießen, wäre dieser womöglich nur verletzt, aber nicht getötet worden. Und auf jeden Fall wäre Elser sofort gefasst und entweder gleich erschossen oder zumindest später hingerichtet worden: von den anwesenden Nazis hatten sicher einige ihre Pistolen dabei und waren geübt im Umgang damit. Muss man von einem Attentäter erwarten, dass er auf jeden Fall sein Leben hingibt? Interessante Frage.
    Und mit einem Sprengstoffgürtel à la islamistischer Anschlag wäre er sicher nicht reingekommen, das wäre viel zu auffällig gewesen.

    Das Wandbild finde ich auch geschmacklos, da gebe ich Dir recht.

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus