München - Die Kirchen (Galerie)

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    San Bonifacio fuori le mura. Mit der Bepflanzung auf der gegenüberliegenden Straßenseite einfach ein großartiger Anblick. Hier stimmt´s mal - München als nördlichste Stadt Italiens.

    Heute innen wie aussen in mehreren Etappen gründlich ruiniert. Und keinerlei Aussicht, die Situation jemals zu verbessern. Gut, wenigstens den Klostergarten westlich der Kirche könnte man schöner gestalten.

    Tatsächlich wirken diese Kirchen im frühchristlichen Stil vor allem inmitten einer (Garten-)Landschaft. Das gilt für San Paolo und San Lorenzo fuori le mura oder auch für S.Sabina in Rom.
    Eine solche Kirche in eine enge Umbauung einzupferchen, war eine städtebauliche Torheit. Döllgast kann man immerhin dankbar sein, dass er den letzten Rest gerettet hat, ebenso gut hätte man Sankt Bonifaz auch komplett abtragen können.

    Der Innenraum ist dennoch ein immenser Verlust, die Ausstattung der 1970er Jahre zieht ihn auf Kindergartenniveau herab.

    VERO PULCHRO BONO

    Einmal editiert, zuletzt von Seinsheim (5. Mai 2025 um 00:51)

  • In diesen Tagen kann man im Alten Peter wieder den alten Brauch erleben, dass beim Tod eines Papstes der Figur des hl. Petrus im Hochaltar (von Erasmus Grasser um 1493/95) die Tiara abgenommen wird, bis ein neuer Papst gewählt ist.

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    Mit Tiara:

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    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Als nächstes sehen wir uns die neogotische Kirche St. Paul in der Ludwigsvorstadt an.

    St. Paul

    St.-Pauls-Platz 11
    Erbaut 1892-1906
    Typus: dreischiffige Basilika mit niedrigem Querhaus und polygonalem Langchor

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    Ansicht vom Bavariaring:

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    Ansicht der Westfassade:

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    Ansicht aus dem Kopf der Bavaria über die Theresienwiese:

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    Baugeschichte:

    - 1884 Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs für die Errichtung dreier Kirchen in den Vorstädten Ludwigsvorstadt, Maxvorstadt und Isarvorstadt, 1885 Vorauswahl von 9 Skizzen aus den eingegangenen 96 mit Auftrag zur weiteren Ausarbeitung, 1889 Auftragserteilung an den Architekten Georg von Hauberrisser für die Erbauung der St.-Pauls-Kirche
    - 1892 Grundsteinlegung, 1899 erster Gottesdienst, 1902 Vollendung des Hauptportals (Bildhauerarbeiten Heinrich Waderé), 1906 Weihe, bis 1915 Fertigstellung der Ausstattung: Hochaltar (Bildhauer: Georg Albertshofer & Georg Busch), Marienaltar (Gemälde: Gabriel von Hackl), Josephsaltar (Bildhauer: Thomas Buscher), Kanzel (Bildhauer: Thomas Buscher), Pietà (Balthasar Schmitt), Kreuzweggruppe (Georg Busch); sämtliche Entwürfe von Georg von Hauberrisser
    - 1937 Aufstellung eines Zelebrationsaltars am Choreingang
    - 1944/45 Kriegszerstörungen: Zerstörung des Südquerarms und der Vierung, teilweiser Einsturz der Gewölbe des Mittelschiffs; Zerstörung des Hochaltars, der Orgel und der gesamten Buntverglasung der Kirchenfenster, teilweise Zerstörung der Balustrade sowie der Bekrönung des Schalldeckels der Kanzel
    - 1946-51 leicht veränderter Wiederaufbau: u.a. Schließung des einstigen Südeingangs, Wiederherstellung des Maßwerkfensters des südlichen Querarms in einfacherer Form, verschiedene weitere vereinfachte Wiederherstellungen z.B. an der Kanzel (Balustrade. Schalldeckel) und den Seitenaltären (fehlende Gesprenge), Nichtwiederherstellung der Chorschranke
    - 1954 neuer Zelebrationsaltar am Choreingang gefertigt aus der Mensa des zerstörten Hochaltars
    - 1959/60 Aufhängung eines großen Triumphbogenkreuzes geschnitzt von Ferdinand Filler über dem Zelebrationsaltar, Aufstellung eines Sakramentsaltars in kubischer Formensprache nach Entwurf von Raimund Thoma im südlichen Querhaus mit Tabernakel von August Hartle, dazu neue Monstranz, Kelch, Vortrage- und Altarkreuz, Stand- und Altarleuchter
    - 1979-89 grundlegende Sanierung des gesamten Außenbaus
    - 2003/04 neuerliche Umgestaltung des Innenraumes: Einrichtung einer Werktagskapelle im Chor der Kirche mithilfe einer Trennwand zum großen Gemeinderaum, der neue Altar dieser Kapelle wird aus der Altarplatte des 1954 aufgestellten Zelebrationsaltars gefertigt (welche ihrerseits aus dem ursprünglichen Hochaltars stammte). Der Sakramentsaltar von 1960 wird neuer Zelebrationsaltar der großen Kirche und mit neuem Ambo und Priestersitz, gestaltet von Toni Stegmayer, ergänzt. Das Triumphbogenkreuz von 1960 wird wieder entfernt und es werden neue Vorhängeglasfenster an den Chorfenstern (von Jochem Poensgen) aufgehängt.


    In der 2. Hälfte des 19. Jhs wuchs die Bevölkerungszahl Münchens explosionsartig von rund 100.000 Einwohnern um 1850 auf 500.000 Einwohner um 1900, verfünffachte sich also innerhalb von 50 Jahren. Dieser Bevölkerungszuwachs führte natürlich auch zu einem seelsorgerischen Engpass, da die neuen Bürger überwiegend von den Altstadtpfarreien aus betreut werden mussten. Nachdem nach der Unterbrechung der Kirchenbautradition durch die Säkularisation Anfang des 19. Jhs der Kirchenbau durch König Ludwig I. in den 1820er und 30er Jahren wiederaufgenommen worden war, es sich dabei also zum größten Teil um fürstliche Projekte handelte, waren es in der 2. Hälfte des 19. Jhs nun die Bürger und die Kirche selbst, die verschiedene Kirchenbauprogramme organisierten. So bildete sich 1882 ein Zentralkirchenbauverein, der es sich zur Aufgabe machte, drei Pfarrkirchen in den neuen Stadtbezirken Ludwigsvorstadt, Maxvorstadt und Isarvorstadt zu errichten, wobei jedes der drei Projekte von einem lokalen Komitee geleitet wurde; in der Ludwigsvorstadt entstand St. Paul (das Patrozinium bezieht sich auf St. Peter, zu dessen Pfarrsprengel das Gebiet um St. Paul anfänglich gehörte), in der Maxvorstadt St. Benno (1888-95) und in der Isarvorstadt St. Maximilian (1892-08).
    Der von Hauberrisser gewählte Baustil von St. Paul ist der einer reifen und reichen Gotik, die - ähnlich wie das ungefähr zur gleichen Zeit von ihm gebaute Neue Münchner Rathaus - im Unterschied zum mehr fürstlich konnotierten Barock bürgerliches Selbstbewusstsein sowie über viele Jahrhunderte tief verwurzelte religiöse Kontinuität ausdrücken sollte. Im Unterschied zur heimischen Tradition der backsteinsichtigen Gotik (siehe Münchner Frauenkirche oder St. Martin in Landshut) ist der eigentliche Backsteinkern von St. Paul aber flächendeckend mit Tuffstein verkleidet, was der Kirche zusammen mit dem reichen Formenapparat (aus Muschelkalk) einen aufwendigen und edlen Charakter verleiht. Besonders auffällig ist dabei der an den Frankfurter Dom angelehnte mächtige Chorturm mit seinem oktogonalen Fenstergeschoß, den vier umgebenden Fialen und dem Kuppelabschluss samt Laterne.

    Sehr wichtig ist die städtebauliche Einbindung der Paulskirche: sie ist sowohl von der Theresienwiese in monumentaler Seitenansicht als auch von Osten durch die Landwehrstraße von der Sonnenstraße aus prominent zu sehen und bildet mit ihren hohen Türmen einen bestimmenden Punkt im Panorama Münchens. Dies war dem Architekten Hauberrisser ein wichtiges Anliegen, nachdem er schon beim Bau des Neuen Rathauses die „Turmarmut“ der Münchner Stadtsilhouette als Argument für den hohen Rathausturm vorgebracht hatte. Überhaupt ist die Kirche mehr auf Fernsicht berechnet: der die Kirche umgebende Paulsplatz ist zu eng, um das hoch aufragende Bauwerk zu erfassen; aus der Ferne hingegen ergeben sich immer wieder Ansichten, die zwar nur Ausschnitte des Gesamtbaus zeigen aber trotzdem geschlossen und monumental wirken.

    Im Krieg wurde die Kirche zwar nicht zerstört, aber trotzdem empfindlich getroffen, vor allem das südliche Querhaus und die Vierung, aber auch Teile des Gewölbes des Mittelschiffes stürzten ein. Nach dem Krieg wurde die Kirche mit leichten Änderungen wiederhergestellt, u.a. wurde der alte Südeingang geschlossen und das darüber befindliche, ehemals aufwendigere Maßwerkfenster in vereinfachten Formen erneuert. Bereits 1937 war es zur Aufstellung eines Zelebrationsaltars am Choreingang gekommen, weil der Chor sehr lang war und dem damaligen Pfarrer Schrallhamer, dem sehr an einer guten Verständlichkeit der Messe gelegen war und der sich zu diesem Zweck schon sehr früh für die Verwendung der deutschen Sprache in der Liturgie eingesetzt hatte, die Zelebration am Hochaltar als der Gemeinde zu entrückt empfunden wurde. Dies war lange vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), bei dem nicht nur die Einführung der Volkssprache, sondern auch die Aufstellung eines Volksaltars mit Hinwendung des Priesters zur Gemeinde eingeführt wurde. St. Paul war also bereits vor dem Krieg eine liturgisch sehr fortschrittliche Gemeinde (im Gegensatz zur ehemaligen Mutterpfarrei St. Peter, in der heute noch kein Volksaltar steht).
    Nachdem im 2. Weltkrieg der Hochaltar zerstört worden war, wurde er nach dem Krieg nicht mehr erneuert, sondern durch einen neuen Zelebrationsaltar ersetzt, der aus der Mensa des alten Hochaltars gefertigt wurde. 1960 wurde ein großes Triumphbogenkreuz über dem Choreingang aufgehängt, das der Gesamtansicht in Richtung Chor wieder einen Fixpunkt gab. Bei der Umgestaltung 2003/04 wurde dieses Kreuz aber wieder entfernt, die Chorfenster mit bunten Vorhängeglasfenstern versehen und eine Trennwand zwischen Chor und Hauptschiff gestellt, um eine „Werktagskapelle“ zu schaffen. Seitdem präsentiert sich die Choransicht seltsam ziellos und gleichzeitig verstellt; dazu kommt noch die Aufstellung eines neuen Zelebrationsaltars in der Vierung, der mit seinen kubischen Formen und seiner daraus resultierenden Grobheit überhaupt nicht in die Kirche passt. Im südlichen Querarm steht zudem noch eine eigenartige Videoinstallation mit Oberkörperaufnahmen sich bewegender Menschen, die meiner Meinung nach in einer Kirche völlig fehl am Platz ist. Von der ursprünglichen Ausstattung erhalten sind noch die seitlichen Altäre (Marienaltar und Josephsaltar), die Kanzel, eine Pietà (nach Brandzerstörung 1986 in rekonstruierender Kopie), die umfangreiche Kreuzweggruppe und einige Beichtstühle. Besonders beeindruckend ist der Treppenturm an der Südwand des Chors mit seinem feinen Maßwerk.
    Nicht mehr vorhanden ist die gesamte Buntverglasung, wodurch das Innere der Kirche heute eine veränderte Lichtwirkung besitzt.


    Weitere Fotos von St. Paul:

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    Nordseite:

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    Der an den Frankfurter Dom angelehnte Chorturm:

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    Ansicht von der Theresienwiese:

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    Ansicht von der Einmündung der Landwehrstraße in die Sonnenstraße:

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    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Als nächstes einige historische Außenaufnahmen.

    Zunächst, passend zum letzten Bild, einige Ansichten mit der historischen, gründerzeitlichen Bebauung an der Landwehrstraße. Die gesamte Gegend um den Hauptbahnhof wurde im 2. Weltkrieg sehr schwer zerstört, weswegen diese Straße heute durchgehend von banalen Nachkriegsbauten gesäumt ist.

    Ähnlicher Standpunkt wie mein letztes Bild, d.h. an der Einmündung der Landwehr- in die Sonnenstraße (1901):

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    (Stadtarchiv München, DE-1992-FS-AB-STB-014-03, CC BY-ND 4.0)

    Etwas weiter in der Landwehrstraße (um 1900):

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    (Bildindex.de, fm1075968, CC BY-SA 4.0)

    Weitere Ansichten aus der Landwehrstraße:
    - https://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/bil…=300230&DEID=10
    - https://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/bil…=300226&DEID=10

    Die Südseite von St. Paul um 1900, die man heutzutage aufgrund des Baum- und Hausbestandes nicht mehr so gut fotografieren kann:

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    (Bildindex.de, fm120647, CC0 1.0)

    Von Südosten:

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    (Bildindex.de, fm120640, CC0 1.0)

    Kriegsschäden (1946):

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    (Bildindex.de, fm202572, CC BY-SA 4.0)

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    Karl Kraus

  • Nun zu den Innenansichten.

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    Historische Ansicht mit dem ursprünglichen Hochaltar (leider nur in schlechter Qualität):

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    Nach der Umgestaltung 1960 mit dem Triumphbogenkreuz:

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    Rückansichten:

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  • Der 2003/04 umgestaltete Chor mit der Abtrennung und der Werktagskapelle:

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    Der originale Hochaltar:

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    Der 1937 aufgestellte Zelebrationsaltar:

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    Der Chor nach 1960 mit dem Triumphbogenkreuz:

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    Der schöne Wendeltreppenturm an der Südseite des Chors:

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  • Die Kanzel, von der die Bekrönung des Schalldeckels ganz und die Balustrade im Krieg zum Teil zerstört und nachher als Erinnerung an die Zerstörung so belassen wurde:

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    Seitenaltar links (Josephsaltar):

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    Seitenaltar rechts (Marienaltar):

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    Eine Station des Kreuzwegs:

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    Die Orgel:

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    Weitere Fotos von St. Paul hier: https://www.flickr.com/photos/1619455…177720328673828

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    Karl Kraus

  • weswegen diese Straße heute durchgehend von banalen Nachkriegsbauten gesäumt ist.

    Am meisten stört im Vergleich zum historischen Bild die Zunahme an Werbetafeln und "Straßenmöblierung", also diese Flut an Verkehrszeichen (Halteverbotsschilder usw.usf.).

  • Ja auch; aber die Hässlichkeit weiter Teile dieser Gegend - nicht nur die Landwehrstraße - ist schon auch bedrückend. Es ist insgesamt das Bild einer großstädtischen Dystopie, das sich dort breit macht: alle Nachteile einer Großstadt wie Verkehr, Lärm und Schmutz, aber nichts Anregendes. Außerdem befinden sich dort auch seit Jahren viele türkische und arabische Geschäfte, weswegen diese Gegend eine ganz eigene Atmosphäre und teilweise auch Gerüche hat ;)

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  • Was ist denn das für ein mülliges Drahtgespinst an der Säule der Kanzel? Als ob man sich die Augen ausstechen sollte, wenn man zur Kanzel hochgeht. Die Chorabtrennung ist auch so unwürdig, weil sie den geheiligtsten Bereich der ursprünglichen Kirche wie eine Bauarbeitenimprovisation hinter einem Kellerverschlag abtrennt.

    Vermutlich ist die Gemeinde inzwischen sehr klein (wenn da jetzt sowieso Araberviertel ist) und es finden kaum Gottesdienste statt? Die aktuelle "Bekunstung" scheint mir jedenfalls nicht so sehr gelungen...

  • Das Drahtgespinst soll vermutlich Kunst sein... die Pfarrei scheint ja eher modern ausgerichtet zu sein, siehe Chorumgestaltung.

    Die Gemeinde ist tatsächlich klein, im Pfarreigebiet leben laut Pfarrei noch ca. 2400 Katholiken bei 7500 Gesamtbevölkerung und 3200 Ausländern. Glaubenszugehörigkeit: 2400 Katholiken (26 %), 900 Protestanten (10 %), 25 Juden, der Rest von etwas mehr als 4000 werden "ohne Bekenntnis" geführt, davon sind der größte Teil Muslime.
    St. Paul hat keinen eigenen Pfarrer mehr, sondern gehört zum Pfarrverband München-Westend, dem neben St. Paul drei weitere Kirchen angehören: St. Rupert, St. Benedikt und Mariä Heimsuchung. Es haben aber in St. Paul auch die kroatische und die nigerianische Glaubensgemeinschaft sowie einige andere geistliche Gruppen wie Taizé u.a. eine Heimat gefunden, weswegen in St. Paul schon noch jeden Tag Gottesdienste stattfinden.

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  • Von der Neogotik gehen wir zur originalen Gotik und zu einem der wertvollsten Kleinode Münchens: der Schlosskapelle Blutenburg.

    Schlosskapelle Blutenburg zur Heiligsten Dreifaltigkeit

    Seldweg 15 (Obermenzing)
    Erbaut 1488-97
    Typus: einschiffige Saalkirche mit Fünfachtelchor

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    Baugeschichte:

    - 1432 erste urkundliche Erwähnung von Schloss Blutenburg
    - 1488 Bau der Kapelle unter Herzog Sigismund durch die Bauhütte der Münchner Frauenkirche, 1489 Sakramentshaus, 1491 Altäre (Altarbilder aus der Werkstatt von Jan Polack), um 1490/95 Zyklus von Holzfiguren, bestehend aus den 12 Aposteln, der Blutenburger Madonna und dem Schmerzensmann Jesus Christus, 1497 Glasfenster
    - 1676 neuer Dachreiter mit Zwiebelhaube
    - 1807 Verbringung der Altargemälde in die Schleißheimer Gemäldegalerie, 1856 Rückkehr in die Kapelle
    - Renovierungen 1856, 1892, 1947/48, 1971/72
    - 1980er Jahre Abdeckung der durch Witterungseinfluss fast erloschenen sechs Außenfresken durch Holzverschalungen zum Schutz vor weiterer Verwitterung
    - 2007 rekonstruierend-interpretierende Kopie der beiden Fresken links und rechts des Portals auf die Holzverschalungen durch Kunstmaler Hermenegild Peiker
    - 2023 Restaurierung der Glasfenster


    Die Schlosskapelle Blutenburg stellt in Altbayern eine ziemliche Rarität dar, ist sie doch eine der wenigen gotischen Kirchen, die nicht barockisiert wurden und noch nahezu komplett original erhalten sind, von der Ausstattung über einen Teil der Butzenverglasung bis hin zum Dachstuhl; nur der barocke Dachreiter wurde 1676 hinzugefügt.
    Schloss Blutenburg, ca. 10 km westlich von Münchens Altstadt, war von Herzog Albrecht III. in den 1420er Jahren als kleines Schlossgut angelegt worden und wurde später zum Lieblingssitz von Herzog Sigismund, seines dritten Sohnes, der es erweiterte und 1488 die Schlosskapelle erbauen ließ. Die Kirche wurde vom Bautrupp der in jenen Jahren vollendeten Münchner Frauenkirche errichtet, der Baumeister ist aber nicht genau überliefert: es werden u.a. Lukas Rottaler (Jörg von Halsbachs Nachfolger als Stadtbaumeister) oder Hofbaumeister Hans Trager vermutet.
    Die Kapelle ist auf eigentümliche Weise in die Nordumfassung des Hofes eingebaut, eine Anordnung, die sofort an die ähnlich situierte, ältere Kirche St. Lorenz am Alten Hof in München denken lässt; vermutlich war diese Referenz an die Hofkirche Kaiser Ludwigs des Bayern beabsichtigt. Die Architektur der Blutenburger Kapelle ist sehr einfach: unter einem gemeinsamen, einheitlichen Dach folgt auf das dreiachsige Langhaus ohne Einziehung der gleich hohe polygonale Chor, das Ganze gegliedert nur durch wenig vortretende Strebepfeiler. Die Bedeutung als Schlosskapelle wird aber ersichtlich an der reichen Zier: neben der getreppten vorgemauerten Portalrahmung sind dies vor allem das umlaufende, mit den Wappenschilden der Wittelsbacher und ihrer Gemahlinnen bemalte Maßwerkfries sowie die (nicht mehr ganz erhaltenen) Fassadenmalereien. Am besten erhalten haben sich der von einer Spitzbogennische geschützte Gnadenstuhl mit der Darstellung Gottvaters, den gekreuzigten Jesus haltend, sowie die ebenfalls durch Mauerrücksprünge geschützten Rauten- und Löwenwappen über dem Portal. Die an den unteren Wandflächen befindlichen Malereien haben im Laufe der Jahrhunderte leider beträchtlich unter dem Witterungseinfluss gelitten, so dass sie teilweise nur mehr zu erahnen sind; aus diesem Grund wurden sie in den 1980er Jahren mit Schutzkästen abgedeckt, um sie vor weiterem Verfall zu schützen. Links und rechts des Portals kopierte der bekannte Kunstmaler Hermenegild Peiker 2007 die darunter liegenden Fresken auf die Schutzkästen, indem er die nicht mehr gut erkennbaren Teile interpretativ ergänzte: links der Sündenfall mit Adam und Eva, rechts der Hl. Onuphrius. Die weiteren Malereien sind nur abgedeckt; ob auch sie irgendwann auf die jeweiligen Abdeckungen kopiert werden sollen, ist mir nicht bekannt. Weitere Informationen zu den Außenfresken hier: https://www.blutenburg.de/rundgang-und-g…e/aussenfresken

    Innen entfaltet die Kirche durch ihr harmonisches Zusammenspiel aus dem fast laubenartig wirkenden, mit warmem Licht durchfluteten Raum und der feinen spätgotischen Ausstattung einen ganz besonderen Zauber. Das tief ansetzende Gewölbe scheint den Raum wie Rankenwerk von oben her zu umklammern. Wie ein leuchtendes Band umziehen die Glasmalereien und Wappen der Fenster sowie die dazwischen auf gleicher Höhe angebrachten Holzfiguren (darunter die berühmte Blutenburger Madonna) den Raum. Vor allem aber fallen die wie eine Bilderwand wirkenden Tafelaltäre mit ihren ausdrucksstarken Gemälden auf Goldgrund und den filigran geschnitzten Gesprengen ins Auge. Die Wandfresken sind größtenteils verblichen; unter der Empore kann man noch eine lebensgroße Kreuztragung Christi erahnen und in den Fenstergewänden haben sich Reste von Rankenwerk erhalten. Alles zusammen ergibt ein äußerst stimmiges Bild einer spätgotischen Kapelle, wie man es in dieser Qualität selten findet.
    Der Kunsthistoriker Achim Hubel über die Schlosskapelle:
    "Die Vorliebe für das Preziöse, für die sorgfältige Abstimmung aller Raumteile läßt die Blutenburger Kapelle zu einer Art sakralen "Kunstkammer" werden, in der kostbare Werke nach höfischem Geschmack zusammenklingen."

    In der von einer überwältigenden Anzahl an barocken und barockisierten Kirchen geprägten Kunstlandschaft in München und Altbayern ist Blutenburg auf jeden Fall etwas ganz Besonderes und zählt zu den schönsten Dingen, die man sich in München anschauen kann.

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    Karl Kraus

  • Zunächst betrachten wir die ganze Anlage der Blutenburg mithilfe eines Luftbildes, in der Mitte oben die Schlosskapelle:

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    (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

    Einige weitere Aufnahmen der Schlossanlage und der Kapelle:

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    Das Kirchenportal:

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    Das Fresko mit dem Gnadenstuhl oberhalb des Portals:

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    Die Kopie des Freskos mit dem Sündenfall links neben dem Portal (siehe Baugeschichte):

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    Die Kopie des Freskos mit dem Hl. Onuphrius rechts neben dem Portal:

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  • Die Innenansichten.

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    Auf der Wand unter der Empore sind noch ganz leichte Reste eines großen Bildes mit der Kreuztragung Christi zu erkennen:

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    Das Gewölbe:

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    Der Hochaltar:

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    Zusammen mit dem Sakramentshaus:

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    Auf der Haupttafel dargestellt die “Not Gottes” als Gnadenstuhl (Gottvater seinen gekreuzigten Sohn haltend, darüber die Taube als Symbol des Heiligen Geistes), auf dem linken Flügel die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer, auf dem rechten Flügel die Krönung Mariens durch die drei göttlichen Personen, auf der Predella die vier Evangelisten mit ihren Attributen:

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    Im Gesprenge sind unter dem richtenden Christus Maria und Johannes und nochmal darunter Adam und Eva dargestellt:

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    Auf den Rückseiten der Flügel befinden sich ebenfalls Bilder, die aber meines Wissens nie zu sehen sind; von daher muss ich auf eine alte Schwarzweiß-Aufnahme zurückgreifen. Links zu sehen St. Sigismund mit dem Wappen des bayerischen Herzogs, rechts St. Bartholomäus mit dem Stifter Herzog Sigismund:

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    (Bildindex.de, CC BY-SA 4.0)

    Auf der Website von Theodor Frey finden sich ganz hervorragende Detailaufnahmen der Blutenburger Altäre mit näheren Erläuterungen: https://theodor-frey.de/blutenburgkapelle/

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  • Die Seitenaltäre. Zuerst der linke, Jesus Christus gewidmete, mit Christus als König umringt von Engeln und Heiligen:

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    Auf der Predella die Vierzehn Nothelfer:

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    Der rechte Seitenaltar ist Maria gewidmet und zeigt ihre Verkündigung; auf der Predella die heilige Sippe.

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    Das Gesprenge:

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    Das Sakramentshaus mit links der Figur von Jesus als Schmerzensmann und rechts der berühmten Blutenburger Madonna:

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    Die beiden Figuren sind schwer zu fotografieren, weil der Altarbereich abgesperrt ist. Von daher greife ich auf ein Foto von Wikipedia zurück:

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    (Wikimedia Commons, Autor Mummelgrummel, CC BY-SA 3.0)

    Zwei Glasbilder, in den Fenstergewänden erkennt man noch Reste von Rankenwerk:

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    Der Schlussstein:

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    Weitere Fotos der Blutenburger Schlosskapelle hier: https://www.flickr.com/photos/1619455…177720328735565

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus