Sehschule - Banalität des Alltags

  • Das war im Rahmen des 60er-70er-Jahre Retro-Revivals abzusehen.

    Als Deko-Element in bestimmten Räumen will ich Glasbausteine noch irgendwie gelten lassen. Als Fassadenelement sind sie hingegen ein "no go". Sowohl aus ästhetischen Gründen als auch aus energetischen (warum dämmt man Fassaden, wenn man Glasbausteine verbauen will?) als auch aus praktischen (man kann nicht durchgucken).

  • Ich übernehme mal einen Link den "Majorhantines" im Stadtbild-Forum gepostet hat. (Hier)

    Er hat dazu geschrieben:

    Zitat

    Ich lasse es mal hier, womöglich werden die Bilder nicht lange bereitstehen. Dennoch finde ich die Aufstellung in ihrer Geballtheit von einem einzelnen Unternehmen stellvertretend für so viele Entwickler so aussagekräftig. Die Masse an Wohnungsbau sieht so aus. So sieht Baukultur heute aus, bzw. die Wohnrealität für Millionen Menschen in Deutschland mit steigender Tendenz. Dass einzelne dieser Projekte auch noch mit Auszeichnungen geschmückt sind, unterstreicht, dass das bei weitem noch nicht die primitivste Gestaltung ist (...) Man möchte fast rufen, schau da und dort hat man sich doch mal Mühe gegeben! Dann aber die Gretchenfrage: Ist auch nur ein Bau hier erhaltenswert? Ein Bau, bei dem man sagt, hier wurde etwas geschaffen, das späteren Generationen unbedingt erhalten bleiben sollte? Nehmen wir dabei die Wohnqualität mal heraus? Was biete ich ansonsten mit dieser Gestaltung? Ich fürchte, das sind alles Wegwerfprodukte.

    Mehrfamilienhäuser

    Also, nach meinem Dafürhalten ist das weitgehend völlig lieblose, rein technische Standardware. Weitgehend ästhetischer Schrott, der irgendwann, wenn in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts hierzulande die Bevölkerungszahl wieder sinkt, als Areal für Scheibeneinschmeißer und Graffitikünstler dient sowie als Sondermüll dauerhaft die Landschaft verschandeln wird, weil kein Geld mehr für Abrisse vorhanden ist.

  • Absolut krass, wie sie die anständigen 60er-Häuser zugerichtet haben... da fällt einem nix mehr ein.

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Das ist die unterste Stufe der Bauästhetik. Alles ist nur noch dem Diktat der Technik und Energieeinsparung untergeordnet. Man könnte eigentlich auch einfach den Menschen als rein technisches Instrument ansehen und mittels Dioden erhitzen, dann bräuchte es gar keine Heizung und energetische Sanierung mehr. Also, da kommt noch etwas auf uns zu. Es bleibt allein die Hoffnung, dass der öffentlichen Hand möglichst schnell das Geld ausgeht. Aber leider werden sie es sich, so lange das geht, von uns allen holen.

  • Im APH-Forum habe ich folgendes Bild vom umgebauten letzten Altbau am Stuttgarter Marktplatz entdeckt...

    https://aph-bilder.de/images/1000055690.jpg

    Geschmackloser kann der Umgang mit einem solchen Haus kaum noch sein. Ein regelrecht ekelhafter zusammengestoppelter Dachklotz. Aber die Stuttgarter Modernisten werden es natürlich toll finden. Also sollen sie auch mit so etwas leben. Ich muss es mir ja nicht täglich angucken.

  • Das Haus wurde final entwürdigt. Den Marktplatz kann man ohnehin vergessen. Keine Maßnahme mit den heute gängigen Mitteln trägt da irgendwas zur Aufwertung bei, eher im Gegenteil.

    Selbst in der Nachkriegszeit waren wir schonmal weiter. Dieses Eckgebäude in Stuttgart erhielt in den 80er Jahren seine Kuppel zurück. Ich möchte mir nicht vorstellen, was man da heute draufsetzen würde:

    IMG_03479c9bb35be4237bbd.jpg

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Ein neu errichteter Gewerbebau in Offenbach. Man verlässt einen Supermarkt-Parkplatz und blickt auf eine riesige weiße Wand (Das Foto bringt den massiven Eindruck nicht vollständig rüber). Weniger Willen zu irgendeiner Gestaltung gibt es nicht. Man hätte sich ja zumindest ein wenig Gedanken machen können, diese Wand optisch aufzuwerten. So aber: Die völlige ästhetische Abstumpfung. Oder: Minus-Architektur.