Stuttgart ist eine Stadt mit äußerst gering ausgeprägtem baugeschichtlichen Bewusstsein. Am ehesten kann man das wohl mit dem typisch schwäbischen "Fortschrittsdenken" erklären. Das Neue ist hier irgendwie immer mehr wert als das Alte, dessen man sich oft leichtfertig entledigt.
Stuttgart (Galerie) - Villa Berg mit Park
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Aber ist es in Stuttgart nicht auch so wie in vielen anderen großen Städten, dass es immer weniger Alteingesessene gibt, die sich aufgrund ihrer Familiengeschichte mit der Stadt identifizieren und immer mehr Zugezogene, denen jede Kenntnis und jedes tiefergehendes Interesse an der Stadt, in der sie vielleicht auch nur vorübergehend leben, abgeht? Ich sehe das als eines der Hauptprobleme der heutigen westlichen "Stadtkultur", es gibt kaum mehr eine Bürgerschaft, die mit dem Herzen an der eigenen Stadt hängt.
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Ja, das kommt noch dazu. Da hast du völlig recht. Zu wenige interessieren sich dafür, wie sich eine Stadt repräsentieren sollte. Und in Stuttgart ist es außerdem so, dass auf den ersten Blick die funktionale Gewerbearchitektur der letzten 70 Jahre überwiegt, mit der sich verständlicherweise niemand identifiziert. Die "historische Stadt", das sind hier wenige verbliebene Einzeldenkmale im Zentrum und viel Gründerzeit in den ehemaligen Vorstädten. Letztere wird zumindest von den Bewohnern wertgeschätzt.
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Die Anbau-Planungen scheinen mir immer beknackter zu werden. Nur noch Verschlimmbesserung. Was sollen diese unsymetrischen Baukörper eigentlich? Und warum muss überhaupt direkt an das Gebäude angebaut werden?
Da mittlerweile seit so vielen Jahren nichts aus den alten Plänen geworden ist, bin ich mittlerweile so weit zu sagen, dass hoffentlich auch aus diesen neuen Plänen nichts wird.
Neue Pläne für das alte Gebäude in Stuttgart-Ost. Neue Flügel für die Villa Berg
Neue Pläne für das alte Gebäude in Stuttgart-Ost: Neue Flügel für die Villa BergStadtplanungsamt und Planungsbüro haben im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost einen neuen Entwurf mit reduzierter Baumasse für die Villa Berg vorgestellt.www.stuttgarter-nachrichten.de -
Ein würdeloses Trauerspiel, wie die Stadt Stuttgart mit einem ihrer wertvollsten Baudenkmäler umgeht.
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Stimmt - dabei könnte das ganze Areal mit dem Park so schön sein, zumal der Park ja durch einen schmalen Grünstreifen mit dem Unteren Schloßgarten verbunden und somit auch gut zugänglich ist.
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Jahre lang hat die Stadt das Thema bewusst verschleppt. Nun ist sie am Ziel, denn es war absehbar, dass irgendwann die Gewerbesteuereinnahmen einbrechen und kein Geld mehr da ist (hoffentlich auch nicht mehr für Parkdach-Gärten, "grüne Zimmer" oder die Kulturszenen-Selbstbespaßung am Parkhaus Züblin). Die Sanierung der "Villa Berg" ist auf unbestimmte Zeit bzw. den St. Nimmerleins-Tag verschoben.
Zitat:
ZitatDie Stadt will dem Gemeinderat zudem vorschlagen, sich von den Plänen für ein großes Verwaltungszentrum im Umfeld der alten Bahndirektion zu verabschieden. Stattdessen soll die Fläche des alten Kaufhof-Gebäudes samt zugehörigem Parkhaus in der Eberhardstraße komplett für die Verwaltung genutzt werden. Das Areal gehört seit Anfang 2024 der Stadt. Außerdem sollen zwei Gebäude in der Eberhardstraße und ein Objekt in der Schmale Straße verkauft werden.
Die bisher städtisch genutzten Gebäude könnten laut Stadt für Wohnungen beispielsweise an die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft, SWSG, verkauft werden. Auch die Sanierung und Erweiterung der Villa Berg soll gebremst werden. Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen sowie Kulturschaffende haben unterdessen Sorge bezüglich des neuen Sparhaushalts geäußert. Man fürchte um die Zukunft, heißt es in einer Mitteilung.
Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen: Stuttgart fehlen mehr als 600 Millionen und muss sparen enormDie Gewerbesteuer-Einnahmen brechen ein. Stuttgart muss im nächsten Haushalt kräftig sparen. Nun hat die Stadtverwaltung erste Schritte genannt, mit denen sie…www.swr.deIch plädiere dafür, dass die Stadt das Gebäude einfach verkauft. Zum Beispiel, dass sich dort ein Superreicher eine Stadtvilla herrichtet. Oder für ein Luxushotel, von mir aus mit dem gelegentlichen Nutzungsrecht von Konferenzräumen durch die Stadt oder Vereine. Jedenfalls ist das alles noch besser als der jetzige, einer südwestdeutschen Großstadt unwürdige, Zustand.
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Na ja, das wundert mich nicht wirklich, es wäre wohl sowieso nichts brauchbares dabei herausgekommen. Architektonisch kann man Stuttgart leider weitgehend vergessen (war erst vorletztes Wochenende dort).
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Wie kommt es, dass du dich auf einmal zu so einem Pauschalurteil hinreißen lässt? Ich finde, Stuttgart muss man differenziert betrachten. Die Innenstadt ist in unserem Sinne weitgehend eine Zumutung, da gebe ich dir recht. Aber es gibt auch noch viele Stadtviertel und Straßen, die zu gefallen wissen. Und sowas wie den Schlossplatz haben die wenigsten Städte. Viele Leute laufen einmal die Königstraße rauf und runter und meinen dann, sie haben alles von Stuttgart gesehen. Das ist eben das Problem. Ein Freund von mir fand Stuttgart auch immer furchtbar. Dann hat er aber mal eine Sightseeing-Tour gemacht, wo man auch die weniger bekannten Ecken zu Gesicht bekommt, und er war äußerst überrascht und findet jetzt, dass Stuttgart teilweise richtig schön ist. Was unstrittig ist, ist die Tatsache, dass die Stadt Stuttgart mit ihrer baulichen Geschichte schon immer und bis heute ganz mies umgegangen ist. Die Villa Berg ist hierfür ein Paradebeispiel.
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Ja, das war falsch formuliert, ich meinte: man kann die architektonische (Zukunfts-)Entwicklung Stuttgarts leider vergessen.
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