Mindestens einen noch in Betrieb befindlichen öffentlichen Paternoster gibt es in Berlin, im Behrensbau in Oberschöneweide, habe ich erst vor vier Wochen gesehen.
Schöne Straßen in Wien
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Ach, gibts doch noch?!
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Ja, es gibt schon noch ein paar. Der hier im Forum bekannteste ist möglicherweise der im Rathaus in Stuttgart.
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Herzlichen Glückwunsch für diesen wunderbaren Strang, und ich hoffe, du verfügst über viel Freizeit. Trotz aller Bemühungen der heutigen Stadtverwaltung verfügt Wien über genügend Anschauungsmaterial, um dies als veritable Sisyphos-Aufgabe erscheinen zu lassen. Mit der Diesterweggasse zu beginnen, ist natürlich so gewagt wie originell. Natürlich wirst du um das Penzinger Zentrum gleich ums Eck nicht hinwegkommen. Und das transviennesische Hietzing mit seinem alten Kern wirst du uns erst recht nicht unterschlagen dürfen. Ich hab mich im APH schon damit gespielt, Alt Wien, was blieb oder so.
Danke. Natürlich habe ich bewusst mit der Diesterweggasse angefangen, damit gar nicht erst die Illusion eines Anspruchs auf Vollständigkeit oder eines Systems aufkommen kann.
Durch deine interessanten Beiträge bin ich natürlich jetzt mit einem Schlag eines Großteils meines spaziergängerischen Materials beraubt, da ich quasi auf der Grenze zwischen 7. und 8. Bezirk residiere, lustigerweise nur einen kräftigen Steinwurf von dem zuletzt vieldiskutierten Schnizer-Märchenschloss entfernt. Dazu sei ergänzend bemerkt, dass der Eckerkerturm auf der Lerchenfelder Straße zum guten Ton gehört. Eine Straße weiter östlich sieht es z.B. so aus:
https://goo.gl/maps/fWi2jJNurLtB2EM79
bzw. andernseitig
https://goo.gl/maps/4Ke1tSR9M5Ka6uQx6
Diese spezielle Türmchen-Konstellation sticht mir übrigens grade erstmals ins Auge, obwohl ich da schon hunderte Male vorbeigegangen, -geradelt und -gefahren bin. Man sieht nie aus.
Zu dem Renaissancehaus am Sankt-Ulrichs-Platz meine ich einmal gelesen zu haben, es handle sich um eine spätere Rekonstruktion. Allerdings weiß ich nicht mehr wo und wirklich wahrscheinlich wirkt es auf mich auch nicht. Vielleicht blieb es auch erhalten, weil gleich ums Eck der türkische Obermigrant Kara M. sein Hauptquartierszelt aufgeschlagen haben soll (zumindest laut einer gut patinierten Tafel hier: https://goo.gl/maps/E6dedQ2t8nxNa9bN8). Vielleicht gewann er das Häuschen lieb, weil es ihm Schatten spendete, während er in der heißen Wiener Sommersonne seine Datteln haberte und er ließ es großzügig stehen?
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Im äußersten Nordwesten des 7. Bezirks liegt die Bernardgasse. Die schmale Parallelstraße zur Lerchenfelder Straße weist in ihrem Mittelteil eine praktisch geschlossene biedermeierliche Bebauung auf, wobei sich die dreistöckigen Häuser zwar stark ähneln, aber doch jedes seinen eigenen Charakter hat.
Abendstimmung in der leider ordentlich verparkten Bernardgasse:

Adolf-Bronce waar der Hitt, Mann!

Früh wird es finster:

Würde nicht aufgestockt, wäre es nicht Wien:

Hat diese Fensterform mit Rundbogen einen Namen? Sieht man nicht allzu oft, finde ich:

Blick zurück. Wir wir ganz hinten sehen, ist die Bernardgasse nicht durchgehend niedrig bebaut:

Wem verdanken wir eigentlich diesen ansprechenden Straßenzug? Dem erfolgreichen Architekten Franz Karl (1816-1876).
Im Lexikon lesen wir über ihn Folgendes:
Alles anzeigenKarl Alois Franz wurde 1818 im schlesischen Troppau, dem heutigen Opava, geboren. Obwohl der Vater einfacher Handwerker war, erhielt der Sohn eine fundierte Ausbildung als Architekt, zunächst am Polytechnischen Institut Wien und anschließend an der Akademie der bildenden Künste, wo er u.a. Pietro Nobile als Lehrer hatte. Neben seiner akademischen Ausbildung, die er 1838 beendete, absolvierte Franz auch eine praktische Lehre und wurde 1846 in die Baumeisterzunft aufgenommen.
Franz war zu Lebzeiten nicht nur als Gemeinderat im 7.Wiener Bezirk angesehen. Er war Bürger von Wien und Mitglied in den wichtigsten Fachvereinen. Er galt zu Lebzeiten als vermögender und tüchtiger Geschäftsmann und genoss als Hausbesitzer beachtliches Renommee.
Karl Alois Franz war verheiratet und hatte drei Söhne und drei Töchter. Er starb im 60.Lebensjahr in Wien.
Karl Alois Franz ist vor allem durch die Errichtung einer Reihe von Miethäusern in der Bernardgasse im 7.Bezirk bekannt geworden. Ab den 1830er Jahren ist die Bernardgasse als Verbindungsstraße zwischen der Zieglergasse und dem Neubaugürtelgürtel neu angelegt worden, und Franz erwarb etliche Grundstücke, auf denen er in den Jahren 1850–1860 eine Reihe von Miethäusern errichtete. Die Häuser zeigen einen ziemlich einheitlichen Charakter: über genuteten Sockeln liegen, durch schlichte Gesimsbänder getrennt, zwei Stockwerke. Besonderes Merkmal sind die segmentbogenförmigen Fenster, die alle Fassaden aufweisen. Trotz der einheitlichen Gestaltungsmerkmale verlieh Franz jedem Haus eine individuelle Note. So akzentuierte er die Fassaden etwa mit schwach angedeuteten Pilastern in Stockwerkhöhe (Nr.16 und 19) oder genuteten Bändern (Nr.15 und 20) oder Putzfeldern in den Fensterparapeten (Nr.23).
Wesentlich repräsentativer ist das dreistöckige Haus in Wien 7, Burggasse 22 (1861) mit Karyatiden, ornamentierten Putzfeldern sowie gedoppelten Fenstern, die mit der abgeflachten Ecke eine Einheit bilden, gestaltet. Auch das dreistöckige Haus Wien 5, Wehrgasse 29 deutet mit gotisierenden Ornamentfeldern und einer betonten Mittelachse auf einen Bauherrn mit höheren Ansprüchen hin.
Insgesamt zeigt sich Karl Franz als Erbauer von gediegenen, vornehmen Miethäusern. Insbesondere bei den Häusern in der Bernardgasse zeigt der Variationsreichtum, dass sich die Baumeister in den 1850er Jahren nicht mehr mit den nur auf Sparsamkeit zielenden eintönigen, akzentlosen Fassadengestaltungen des Vormärz zufrieden geben wollten.
Ergänzend sei hinzugefügt, dass sich die Wiener heute alle zehn Finger abschlecken könnten, wenn zeitgenössische Bauherren zumindest den "nur auf Sparsamkeit zielenden eintönigen, akzentlosen Fassadengestaltungen des Vormärz" nacheifern würden.
Nicht mehr in der Bernardgasse, aber an ihrem Kopfende steht dieses kleine Biedermeierhaus von 1829:

Und um zum Abschluss wieder den Zirkel in den inneren Siebten Bezirk zu schlagen: Das im Lexikon erwähnte "repräsentativere" Franz-Karl-Haus in der Burggasse 22 ist das Eckhaus zum oben von Ursus vorgestellten Sankt-Ulrichs-Platz. Siehe hier: https://goo.gl/maps/WnFWuetgmqoTfsRK6
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Muss man davon ausgehen, dass in diesem Strang nur alle vor-gründerzeitlichen Straßen als "schöne Straßen" gelten? Dann sollte vielleicht der Strangtitel etwas spezifiziert werden, denn die vom Historismus geprägten Straßen Wiens sind ja eigentlich nicht minder schön - zumindest für alle jene, die auch diese Epoche lieben.
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Ich mag eher die verkehrsberuhigten Seitenstraßen am Spittelberg. Wenn ich meine Ruhe haben will, gehe ich dort gerne ins BOHÉME.
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Königsbau: Wieso? Wien ist groß, und als jemand, der dort noch nie war, aber bisher nur so am Rande imposante Jugendstilbauten und "Gründerzeitler" mitbekommen hat, finde ich es ganz interessant, auch mal noch ältere Gebäude zu sehen zu bekommen. Hätte ich ja nicht gedacht, daß derlei an manchen Stellen noch steht. Ich denke, das hat halt einfach einen gewissen Seltenheitswert und somit "Exotenbonus".
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Loggia, entweder hast du meinen Beitrag nicht richtig gelesen oder ihn nicht verstanden. Es geht darum, dass der Titel "schöne Straßen" etwas zu unspezifisch gehalten ist, wenn es eigentlich um Straßen mit vor-historistischer Bebauung geht.
Die Wiener Ringstraße ist doch auch schön, oder nicht?
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Königsbau: Aber der Strang "Schöne Straßen" ist doch bis jetzt nur lächerliche 2 Seiten lang, und eine halbe Seite davon besteht in Abscheifungen zu Paternostern! Da wird doch mit Sicherheit noch viel kommen, Material gibt es sicher genug, warum bestehst Du so ungeduldig darauf, mit dem anzufangen, was doch eh alle kennen?
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Tu ich das? Wüßte nur gern, was mit "schöne Straßen" in diesem Strang konkret gemeint ist. Denn für manche hier sind ja die vom Historismus geprägten Straßen bereits nicht mehr "schön" sondern eher belanglos.
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Was für mich eine "schöne Straße" ist, entscheide ich nach völlig subjektiven Kriterien. Ich möchte aber vor allem Straßen oder Gegenden zeigen, in die sich der typische Tourist nicht verirrt, die aber für einen städtebaulich interessierten Besucher einen Abstecher wert sein mögen. Natürlich ist aber auch jeder andere Benutzer eingeladen, hier Wiener Straßen zu präsentieren, die ihm persönlich zusagen.
Ich schätze jedenfalls auch die gründerzeitliche Bausubstanz Wiens sehr. Die Diesterweggasse ist ja z.B. auch im umgangssprachlichen Sinne gründerzeitlich bebaut (mir fehlt das Expertenwissen, um zu sagen, wie genau dieser Stil im fachsprachlichen Sinne heißt). Aber in einer Stadt, in der im späten 19. Jahrhundert so viel demoliert und neu gebaut wurde wie in Wien, sind eben erhaltene ältere Ensembles auch bemerkenswert - wie es in mancher kriegs- und nachkriegszerstörten deutschen Stadt vielleicht ein erhaltener gründerzeitlicher Straßenzug ist.
Für Freunde der Gründerzeit hier jedenfalls ein paar Bilder aus der Goldschlagstraße. Diese führt über gute 3,5 Kilometer vom Gürtel bis nach Breitensee und ist auf einem Großteil ihrer Länge mit stolzen gründerzeitlichen Mietshäusern aus der Zeit um 1900 bebaut. Die meisten sind auch in einem erfreulich guten Zustand, jedenfalls ihre Fassade.
Die Goldschlagstraße führt eigentlich, gerade auf ihrer ersten Hälfte, durch eine eher ärmliche Gegend, den 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Allerdings ist sie dort - nicht zuletzt weil man sie in eine verkehrsberuhigte "Fahrradstraße" konvertiert hat - eine Art Nukleus der Gentrifizierung durch junge und sich für junggeblieben haltende hippe Wiener, die es cool finden, wenn auf der Straße niemand mehr Deutsch spricht (letzteres ist eine faktische Beobachtung meinerseits) und deshalb auch deutlich hübscher anzusehen als manch triste Nebenstraße.
Eine Reihe besonders reich geschmückter Bauten beim Wieningerplatz:

Von etwas näher:

Vollfrontal:

Schöner Torbogen:

Der Gabrielen-Hof mit schwarzer Krone zum Auf-das-Gesindel-Herabschauen:

Kein Haus für Veganer:

In Breitensee, früher von Klein- und Mittelbetrieben geprägt, heute... nicht mehr:

Vermutlich entstuckter Eckbau zur Missindorfstraße, man mag sich gar nicht vorstellen, wie bombastisch diese Burg ursprünglich gewirkt haben muss:

Ich hoffe, damit ist der Bedarf an Gründerzeit fürs erste gedeckt.
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Muss man davon ausgehen, dass in diesem Strang nur alle vor-gründerzeitlichen Straßen als "schöne Straßen" gelten?
Irgendwie unverständlich, denn du wirst kaum einen link oder ein Bild einer Straßenansicht (nicht Detailansicht natürlich) finden, wo kein Historismusbau zu sehen ist. Das Historismusthema bei uns ist ja zweischneidig: einerseits wurde irrsinnig viel zerstört, andererseits ist der Historismus schöner anzuschauen als die Wiederaufbaumoderne. Zerstörter Historismus wurde bei uns idR nicht wiederaufgebaut, geschweige denn ex nihilo rekonstruiert, bei älteren Bauwerken bestand eine gewisse Chance.
Mir ging es sogar um das Zeigen von Vierteln, in denen der Historismus sozusagen "Normalfall" ist. Dass dabei der Focus auf Älterem liegt, erscheint mir legitim. Geschlossen alte Gassen der Inneren Stadt wurden hingegen noch nicht gezeigt.
Noch dazu gibt es das im Parallelstrang:
ein reines Gründerzeitthema!
aber wir wollen ja nicht so sein. Bitteschön, die besterhaltene Gründerzeitgasse Wiens - die Schwindgasse:
https://www.google.at/maps/@48.19749…!7i16384!8i8192
Diese Geschlossenheit ist leider etwas selten geworden.
P1090057_ShiftN by alexanderfranzlechner, auf Flickr
P1090056 by alexanderfranzlechner, auf Flickr -
Ich mag diesen strengen, schweren Wiener Historismus, der sich trotz oftmaliger neobarocker Fassadengestaltung an die italienischen Renaissance-Paläste anlehnt, wahnsinnig gern, er hat was Ehrwürdiges und Distinguiertes. Die deutsche Neorenaissance mit ihren vielen Giebeln, Türmen und Erkern find ich im Vergleich oft aufgesetzt und affig.
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Leonhard: Bei der Schwindgasse stimme ich Dir völlig zu, die wirkt sehr majestätisch und erhaben. Aber, haha, denk mal an den Schnizler-Bau, den ursus gezeigt hat...
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Der ist aber für Wien eben nicht typisch
Wien schaut gottseidank generell eher so aus wie in der Schwindgasse. -
Wien schaut gottseidank generell eher so aus wie in der Schwindgasse.
Das ist aber eine tiefrosa Brille, die du da trägst.
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Was den Historismus betrifft meine ich... jedenfalls schaut der Historismus in Wien generell nicht aus wie das Haus Bognergasse 11

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Mir wäre Schnizler als Normalfall lieber. Der Wr. Historismus mit seiner ewigen akademischen Neorenaissance kann ziemlich fad sein. Auch die Schwindgasse haut einen nicht vom Hocker.
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Wien, Josef-Strauss-Park.
Aus der Reihe: "Rate, wen ich kenne (bei der SPÖ Wien)!"

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