Wappen im Kapitelsaal
Die momentan große Aufmerksamkeit, welche durch die Vollendung ihrer äußerlichen Rekonstruktion auf die neue Schlosskapelle Friedrich August Stülers gelenkt wird, nehme ich zum Anlaß, das Augenmerk auch einmal auf ein Detail der alten – Schlüter’schen – Schlosskapelle zu lenken und zwar auf die nach ihrer Umgestaltung zum Kapitelsaal des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler in diese eingebrachten Wappen der Ordensmitglieder.
Albert Geyer schreibt über deren ursprüngliche Anordnung das Folgende:
(Geyer, Albert: Geschichte des Schlosses zu Berlin. Zweiter Band: Vom Königsschloß zum Schloß des Kaisers (1698-1918). Der Text. S.95.)
„Die Wappenschilde der lebenden Ordensritter, wegen des Raummangels jedoch nur der inländischen Ritter, wurden in den Friesstreifen der Wände zwischen den Kapitellen der Pilaster aufgehängt, und zwar rechts vom Thron über der Tür zum Grünen Salon (später Marinesaal) das Wappen des Kaisers und Königs und links vom Thron über der Tür zur Bildergalerie das Wappen der Kaiserin und Königin. Rechts vom Wappen des Kaisers schließen sich das des Kronprinzen an und an der Wand, den Fenstern gegenüber, die Wappen der Königlichen Prinzen und der Mitglieder des Fürstlich Hohenzollernschen Hauses. Links von den Wappen der Kaiserin folgen die Wappen der inländischen Ordensritter, beginnend mit dem des Prinzen August von Württemberg, zur besonderen Ehrung für dessen vierzigjährigen Dienst in der preußischen Armee, nach diesem die Wappen des Ordenskanzlers und der übrigen Ritter auf der Fenster- und Kaminwand. Das war die erste Anordnung der Wappenschilde bei der Einweihung des Kapitelsaals am 17. Januar 1880; später, bei größerer Anzahl der Ordensritter, wurden auch Wappen auf den Pilastern angebracht.“
Abbildung 01
Grundriß des Kapitelsaals (alter Kapelle) mit Verortung der einzelnen Mitglieder.
Hellorange: Ordenssouverän und Frau (also. König und Königin)
Dunkelorange: Kronprinz von Preußen
Rot: Preußische Prinzen und Angehörige des Fürstlichen Hauses Hohenzollern
Violett: Ordenskanzler
Blau: Übrige inländische Ritter.

Abbildung 02
Aufbau der einzelnen Wappen: Von Rangkrone überhöhtes eigentliches Wappenschild. Beide umgeben von der Kollane. Darunter der Name des Ritters. (Foto von 1913)

Abbildung 03
Ost- und Südwand des Kapitelsaals (Foto von 1913).

Abbildung 04
Supraporte in der Südwand (Foto von 1913).

Abbildung 05
Wappen von Kronprinz und Königspaar (bei den beiden Letzteren könnte es sich aber auch nur um Monogramme in Kartuschen handeln) an der Westwand neben dem Thronhimmel (Foto von 1913). Diese Platzierung ist offenbar nicht mehr die originale, von Albert Geyer beschriebene, da bei Letzterer das Wappen der Königin ja über der Tür zur Gemäldegalerie hing und nicht – wie hier zu sehen – direkt neben dem des Königs über der Tür zum Marinesaal.

Abbildung 06
Wappen von Rittern rechts von der Tür zur Gemäldegalerie (Foto von 1913). Sofern das linke Wappen zu diesem Zeitpunkt noch dasjenige des Ordenskanzlers gewesen sein sollte, wäre dies bitte violett zu denken.

Abbildung 07
Vergleich von Ansichtskarten aus der Zeit (oben) vor 1913 und nach 1918 (unten). Deutlich ist die Veränderung des Wappenarrangements über der Supraporte zum Marinesaal zu erkennen.

Abbildungen 08-10
Die Wappen im Saal dürften farbig gefaßt gewesen sein – so wie in dem Werk ‚Die Ritter des Königlich Preußischen Hohen Ordens vom Schwarzen Adler und ihre Wappen’).
Es fällt auf, daß die im Saal hängenden Wappen der – lebenden inländischen – Ordensritter alle von der Kollane umgeben sind. Im Wappenwerk, welches alle Mitglieder von 1701 bis 1901 ist es daher möglicherweise ein Hinweis auf das Ableben des Ritters, wenn ein Wappen lediglich von der Schärpe (statt von der Kollane) umgeben wird.



Abbildung 11
In der Schlosskirche von Königsberg waren wesentlich mehr Wappen von Ordensmitgliedern an den Wänden aufgemalt (?). Und dort herrscht eindeutig die Schärpe um die Wappen vor.

Abbildung 12
Verantwortlich für die Anbringung der Wappen dürfte der Wappen-Herold (natürlich in Abstimmung mit dem Ordenskanzler) gewesen sein. (Bildquelle: Schneider, A.: Das Buch vom Schwarzen Adler Orden. Berlin 1870. Alexander Duncker, Tafelanhang.)

Abbildung 13
Zum Abschluß eine Kapitelssitzung im Stiftungs-Zimmer des Ordens (dem Schwarzen-Adler-Zimmer) im Königsberger Schloß. So ähnlich dürften später auch die Kapitelssitzungen in der alten Kapelle im Berliner Schloß ausgesehen haben.(Bildquelle: wie Abbildung 12.)

