Berlin - Bauakademie

  • Hinter Bezahlschranke, daher nicht lesbar, aber die Überschrift sagt ja schon einiges:

    Historische Rekonstruktion nicht machbar: Überraschende Wendung im Streit um die Schinkelsche Bauakademie
    Einer Studie zufolge verhindert das Baurecht die originalgetreue Wiedererrichtung der Fassaden nach alten Plänen in Berlin. Die Stiftung Bauakademie hat andere…
    www.tagesspiegel.de

    Lt. einer Studie soll nun die Rekonstruktion der Fassade "nach heutigem Baurecht nicht machbar" sein. Spars ist wohl immer noch Direktor.

  • Es fehlen zwei Worte in der Überschrift: "Nicht machbar für Stümper". Wenn man den gezeigten Fassadenvorschlag anguckt, ist das Wort "Stümper" noch harmlos ausgedrückt. Licht kann auch durch Oberlicht geschaffen werden, ein barrierefreier Zugang durch einen unauffälligen Einschnitt in die Fassade. Wer das nicht hinbekommt, soll ein paar Nachhilfestunden an der Uni nehmen.

  • Ich habe mir noch mal die Diskussion von 2019 zur Bauakademie im "Stadtbild-Forum" angeschaut. Damals wurde Florian Pronold zum Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie gewählt. Und es gab umgehend Proteste in der "Fachwelt", die seine Absetzung aufgrund mangelnder Qualifikation und die Ersetzung durch Guido Spars planten. Schon damals war für jeden Mensch mit etwas Sensorium zu riechen, dass Pronold einer bestimmten Klientel zu Rekonstruktions-freundlich war und er deshalb mit - ähnlich gesuchten Argumenten, wie sie heute gegen eine Rekonstruktion der Bauakademie vorgetragen werden - rasch abgesägt wurde, um ihn gegen die Personalie Guido Spars zu ersetzen.

    Ich schrieb dort am 3.12.2019:

    Zitat

    Diese ganzen Argumente sind vorgeschoben. Sie dienen dazu, die Person zu diskreditieren oder mental weich zu schießen.

    "Netzwerk in der Architektur- und Kuratorenszene"... Das trifft allerdings den Kern der Kritik viel besser. Pronold ist offenbar nicht einer der ihren. Und das macht sie unruhig. Das könnte unerwartete Querschüsse bedeuten, die man nun möglichst am Anfang einhegen will, um sich die Chance zu erhalten, eine nur "kritisch rekonstruierte" Bauakademie gestalten zu können, also eventuell einen modernen Bau, der nur die Kubatur des historischen aufweist.

    Andere sahen das anders und rechtfertigten letztlich die Intrige gegen die Bauakademie. Entweder haben sie als brave "Faktenchecker" die von den Bauakademie-Gegnern herbeigesuchten "Argumente" gegen Pronold unkritisch akzeptiert (dann sollten sie - brave Bürger, die sie sind - eigentlich auch jetzt die "Argumente" gegen eine Rekonstruktion einfach akzeptieren) oder sie haben eine andere Agenda verfolgt. Diese Leute haben sich nun in der "Stadtbild"-Diskussion zur Bauakademie weitgehend zurückgezogen. Jammern über die von ihnen selbst mit gerechtfertigte Spars-Einsetzung dürfte auch als bigott erscheinen, wenn man nicht unter Gedächtnisschwund hinsichtlich der damaligen Diskussion leidet.

    Ich zitiere mal ein paar Exemplare:

    "Eiserner Pirat" am 17.11.2019:

    Zitat

    Pronold ??? noch nie was gescheites von dem gehört. Hoffentlich kein Modernist der einen Glaswürfel vors Schloss stellt.

    "Novaearion" am 3.12.2019:

    Zitat

    Bitte diesen offenen Brief noch einmal lesen und nicht im Sinne einer immer mehr überhand nehmen Fake-News-Kultur gegen alles und jeden hetzen, der - zum Teil - sicher auch der Rekonstruktion gegenüber kritisch gegenübersteht.

    Der Brief richtet sich vor allem dagegen, dass Herr Pronold ohne jegliche Erfahrung in dem Metier "eingesetzt" wird. (...) Wer bereits einmal Erfahrung mit Ausstellungskonzepten, Raumprogrammen bis hin zur technischen Infrastruktur von Kulturgebäuden jener Bedeutung, wie sie die Bauakademie hoffentlich in Zukunft wieder erfahren wird, gemacht hat, weiß, dass diese Vorwürfe nicht unbegründet sind.

    Es würde diesem Forum auch gut tun, dies anzuerkennen, selbst wenn eine Vielzahl (aber gewiss nicht alle, lest die Namen der Unterstützer!) der Unterzeichner Herrn Pronold auch wegen dessen Bekenntnis zur Rekonstruktion kritisch gegenüberstehen sollte. Allein der Nazivergleich drei Beiträge weiter oben zeigt doch, dass hier teilweise auf einem Niveau argumentiert wird, welches der Sache des Vereins bzw. des Forums mehr als nur abträglich, sondern kontraproduktiv ist und oft ausschließlich politisch motiviert zu sein scheint.

    "Andreas" schrieb am 3.12.2019:

    Zitat

    Danke für den Beitrag Novaearion. Es würde dem Forum guttun, wenn hier etwas sachlicher diskutiert würde. Dass Herr Pronold ohne jegliche Erfahrung in dem Metier ist, ist ja durchaus ein Punkt der Anlass gibt seine Berufung zu hinterfragen. Diese wurde zunächst im Forum auch kritisch gesehen (allerdings auch ohne sich mit dessen Absichten auseinanderzusetzen):

    * Zitat "Eiserner Pirat"

    "Rastrelli" schrieb am 3.12.2019 und rechtfertigte den offenen Brief gegen Pronold und dessen Unterzeichner:

    Zitat

    Ich unterstütze das Bemühen von @Novaearion um eine Versachlichung der Diskussion. Kritik an der Personalie Pronold ist ja nicht unbegründet. Für mich steht es nach wie vor außer Zweifel, dass die Schinkelfassaden rekonstruiert werden. Alle Architekten, die am Schinkelplatz gebaut haben, planten mit der Wiedererrichtung der Bauakademie.(...) Die städtebaulichen Vorgaben für das Gebäude und die Nutzung als Bauakademie engen den Spielraum für den Architekten so sehr ein, dass kein moderner Architekt eine Alternative zu Schinkel hinbekommen würde. (...)

    Novaerion wies ja schon auf die Unterzeichner hin. Da findet sich auch der Name HG Merz. Merz hat die Staatsoper Unter den Linden saniert, die Staatsbibliothek Unter den Linden und die Alte Nationalgalerie. In allen drei Fällen erfolgte die Sanierung denkmalgerecht und zugleich mit einigen Anpassungen an heutige Nutzungserfordernisse, wobei sich seine Neuschöpfungen stilistisch jeweils gut einfügen. Auch Volkwin Marg und Jan Kleihues wurden im Tagesspiegel genannt. Das sind fähige Leute.

    Am 19.1.2020 ergänzte er:

    Zitat

    Die von Herrn Pronold geäußerten Ideen überzeugen mich nicht. Er will einen Gemischtwarenladen unterbringen und hat in seiner Aufzählung nur den Stall für die eierlegende Wollmilchsau vergessen. Und dass Pronold sich zugute hält, die Baugesetzgebung der letzten Jahre in wesentlichen Teilen mitgeprägt zu haben - läuten da bei euch nicht die Alarmglocken?

    "Heinzer" schrieb am 5.12.2019:

    Zitat

    Ich finde es nur auffällig, dass Herr Pronold hier zu Beginn als fachfremder SPD-Mann sehr kritisch gesehen wurde ("oha", "nie was Gescheites von dem gehört") und nun, da anscheinend durchsickert, dass er recht leidenschaftlicher Anhänger einer halbwegs originalgetreuen Reko ist, plötzlich ein Mega-Typ sein soll, den es gegen die Machenschaften bundesdeutschen Architektenschar zu beschützen gilt. Dabei wären hier zu 100% dieselben Kritikpunkte an dem Mann (Fachferne etc.) zurecht angebracht worden, die nun gar keine Rolle mehr spielen sollen, weil er ja "auf unserer Seite" ist.

    Zwei Jahre später, am 14.12.2021 wird Pronold von ihm plötzlich als Beispiel und Beweis für die Rekonstruktions-Freude von Sozialdemokraten gelobt:

    Zitat

    Schöner Bericht, unaufgeregt, erfrischend unpolitisch. Passt mal wieder so gar nicht zu dem hier so gerne kultivierten Vorurteil, dass die SPD immanent anti Rekonstruktion wäre. (...)

    Nicht zuletzt war der SPD-Politiker Florian Pronold bis zu seiner Abberufung auf Druck der Architektenkreise ein ziemlich glasklarer Verfechter einer sauberen Rekonstruktion der Bauakademie.

    Und am 23.12.2021 legte er noch nach:

    Zitat

    Zumindest zeigt sich, dass die ARCH+-Mischpoke keineswegs "für die politische Linke" in Deutschland spricht, eher für den deutlich kleineren, super"woken" Teil derselben, und selbst da dürfte es viele geben, denen das Thema egal ist. Je schriller und absurder die Kritik von dort klingt und je eher sich auch linke Politiker für eine Wende im Städtebau einsetzen, desto eher wird dies auch gelingen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmal an die Vorgänge um Florian Pronold erinnern, der ebenfalls SPD-Mitglied ist. Ich hatte nur halb im Scherz bereits neulich mal aufgelistet, dass überraschend viele Reko- und/oder klassische Stadtreparaturprojekte in den letzten 20 Jahren unter SPD-Ägide erfolgt sind.

    "UrPotsdamer", der sonst stets gerne mit gewohnter Aggressivität "die Politiker" gegen Kritik von "Populisten" in Schutz nimmt, argumentierte am 26.12.2019 - da es gerade mal argumentativ passte - Institutionen-kritisch:

    Zitat

    Leute, lest euch mal die Ausschreibung durch und prüft anschließend, welche dieser geforderten Voraussetzungen Herr Pronold erfüllt. Spoiler: keine einzige. Habt ihr da echt keine Probleme mit? Die Politiker denken, dass der Staat ihnen gehört, und dass sie deshalb Stellen nach Gusto besetzen können, wie es ihnen gefällt, ohne sich nach den (selbst festgesetzten) Voraussetzungen richten zu müssen.

    Sie alle haben nun den Salat, den sie eifrig mit herbeigeschrieben haben. (Wenngleich solche Diskutanten bei den Personalbesetzungen hoher Beamtenstellen natürlich ohnehin nichts zu melden haben. Sie sind nur die öffentliche Begleitmusik.) Wer etwas Durchblick hatte, hat 2019 schon erkannt, worum es bei der Absetzung Pronolds ging und was die Folge sein wird. Mittlerweile sind es fünf Jahre Stillstand bzw. Verzögerung, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Gut gelaufen. Manche U-Boote dürften sich darüber freuen.

  • Ich habe mir noch mal die Diskussion von 2019 zur Bauakademie im "Stadtbild-Forum" angeschaut.....

    Sie alle haben nun den Salat, den sie eifrig mit herbeigeschrieben haben. (Wenngleich solche Diskutanten bei den Personalbesetzungen hoher Beamtenstellen natürlich ohnehin nichts zu melden haben. Sie sind nur die öffentliche Begleitmusik.) Wer etwas Durchblick hatte, hat 2019 schon erkannt, worum es bei der Absetzung Pronolds ging und was die Folge sein wird. Mittlerweile sind es fünf Jahre Stillstand bzw. Verzögerung, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Gut gelaufen. Manche U-Boote dürften sich darüber freuen.

    tegulas Hofschranzen - wen wunderts?

  • Die AfD im Bundestag hat einen Antrag zur umgehenden historischen Rekonstruktion der Bauakademie gestellt:

    Berliner Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel jetzt nach historischem Vorbild
    rekonstruieren

    https://dserver.bundestag.de/btd/20/116/2011629.pdf

    Im Stadtbild-Forum haben sich umgehend Bedenkenträger zu Wort gemeldet und geäußert, dass das doch kontraproduktiv sei. Es könnte andere Parteien dazu aufbringen, sich nun gegen eine Rekonstruktion zu wenden. (Was - in meinen Augen - dann das ganze inhaltliche Armutszeugnis dieser Gruppierungen offenbaren würde.)

    Diesen Bedenkenträgern hat "ursus carpaticus" folgendes geantwortet:

    Darauf schrieb Bedenkenträger "Andreas":

    Zitat

    Die Frage ist hier doch in erster Linie, ob der Antrag der Fraktion hilfreich ist um die Rekonstruktion der Bauakademie auch zu erreichen. Dies wird sicher nicht so sein (zumal die Formulierung des Antrage am Anfang zwar sachlich am Ende aber nicht ohne Seitenhiebe auskommt). Dass die übrigen Fraktionen des Bundestages dem Antrag nicht zustimmen werden, muss den Antragstellern ja klar sein. Was Ziel es Antrages ist, ist daher aus meiner Sicht zumindest fraglich.

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nicht die kranken Mechanismen des Parteienbetriebs, Entscheidungen nicht nach der Sache, sondern rein nach Partei-Strategie zu treffen, finden hier also Kritik, sondern das Bemühen einer Fraktion, sich für die Bauakademie einzusetzen. Ebenso wird nicht kritisch thematisiert, dass offenbar keine andere Fraktion, Interesse an einem eigenen Antrag in diese Richtung hat. Da andere Fraktionen einem Antrag der AfD (oder eine anderen Konkurrenz-Partei) also nicht zustimmen werden, sei der Antrag "zumindest fraglich". Das heißt also, die betreffende Fraktion solle den Antrag nicht stellen. Da dieser Mechanismus aber nicht nur bei Anträgen zur Bauakademie, sondern bei jedem Antrag greift, bedeutet das in der Konsequenz, dass die AfD eigentlich gar keine Anträge stellen sollte, damit "Andreas" nicht das Urteil "Zumindest fraglich" erteilen muss. Ich bin mir aber sicher, dass wenn die AfD auf "Andreas´" versteckten Rat hören würde, die üblichen Bedenkenträger am Ende des Jahres jubilieren und äußern würden: "In der Presse steht, dass die AfD nicht einen einzigen Antrag in diesem Jahr gestellt hat. Und zu Rekonstruktionen kommt von denen auch nichts. Das sieht man mal wieder, dass die nichts können, außer Geld kassieren"...

  • In einem Forum für Rekonstruktion wird nicht etwa die Verhinderungstaktik der Stiftung Bauakademie als Sabotage gewertet, sondern die Forderung, das Gebäude zu rekonstruieren - weil diese von der falschen Partei kommt. Kannste dir nicht ausdenken. So verquer geht's mittlerweile im APH zu.

  • Na ja, aber die Äußerung die Stiftung unter Spars würde Sabotage betreiben, gab es auch! Soweit ich da mitgelesen habe und mich richtig erinnere! Jedenfalls müssen sich die anderen Parteien nun damit beschäftigen: die AfD als Beschäftigungsanimateur des Bundestages, hihi! Und der Effekt ist, daß die anderen Parteien sich nun offenbaren müssen!