Frankfurt am Main (Allgemeines)

  • Die Unterschutzstellung der postmodernen Gebäude in Frankfurt, vor allem der Saalgasse, kann ich nachvollziehen. Sie dürften deutschlandweit recht einmalig sein.

    Umstrittene Postmoderne

    Warum Frankfurts 80er-Jahre-Bauten jetzt Denkmalschutz verdienen

    Umstrittene Postmoderne: Warum Frankfurts 80er-Jahre-Bauten jetzt Denkmalschutz verdienen
    Schön bunt und verspielt? Oder eher albern und rückwärtsgewandt? Die Meinungen über die Architektur der Postmoderne gehen weit auseinander. Jetzt ist ein…
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  • Die Postmoderne war in vielen Fällen weniger kritische Antwort auf die Moderne als vielmehr eine etwas respektlose Parodie historischer Baustile, und damit hatte sie selbst keine Zukunft, weil selbst ein guter Witz irgendwann verpufft wenn er zu oft erzählt wurde. Als Zeitzeugnis sind deren Vertreter dennoch erhaltenswert.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Das Verständnis für eine Unterschutzstellung der Postmoderne an dieser konkreten Stelle finde ich abgesehen von ihrer generellen Intention und Wirkung insofern problematisch, als dass sie Rekonstruktionsmaßnahmen vor Ort verhindert und sich hier argumentativ im Kern mit jener modernistischen Auslegung von Architektur deckt, die auch Stadtreparatur im Sinne eines größeren Ensembles verunmöglicht. Ohne diesen Aspekt sich vor Augen zu halten, läuft man jedoch in die selbe Sackgasse wie das aktuell auch im „Modernistenforum“ geschieht. Da ist die Befürwortung des Schutzes von Nachkriegsarchitektur der 50er Jahre in Ordnung, hier jener einer Postmoderne. Beides verhindert Korrekturen im größeren Stil, sofern man sich die wiederholenden Fehlentscheidungen der insbesondere deutschen Situation in vom Modernismus geprägten Architektur und seines Städtebau vor Augen hält. Eine auf Weitsicht fahrende Verbesserung der Baukultur im traditionellen Verständnis verhindert eine ausgehend von solche Beispielen geführte Diskussion und sie will an den bestehenden Verhältnisse in der Konsequenz auch nichts ändern. Ich bringe den weiterführenden Gedanken hier als Möglichkeit zur Reflexion in die Diskussion mit ein.

  • "Zeitlos", im Prinzip hast Du Recht. Im konkreten Fall aber nicht. Aus zwei Gründen:

    1. Im Gegensatz zu reichlich vorhandener Nachkriegsarchitektur ist die postmoderne Saalgasse in Frankfurt ein sehr einmaliges Ensemble. Zudem versuchte es sich ja hinsichtlich der Kleinteiligkeit zumindest an die Altstadt-Struktur anzupassen, ganz im Gegensatz zum Technischen Rathaus und modernistischen Nachfolgeplanungen.

    2. Es gab in den letzten Jahren mehrfach Möglichkeiten weitere Rekonstruktionsmaßnahmen im ehemaligen Altstadtbereich Frankfurts durchzuführen. Alle wurden hintertrieben. Statt einer von vielen Bürgern begrüßten Rekonstruktion wurde der neue Entwurf des Historischen Museums von Lederer durchgesetzt. Der Bundesrechnungshof wurde saniert (bzw. entkernt und das Gerippe erhalten) und mit hässlichen Neubauten umstellt, obwohl die Junge Union dort Rekonstruktionen vorgeschlagen hatte. Das Personal- und Organisationsamt südlich des Rathauskomplexes wird saniert, anstatt dort das Konzept Altstadt 2.0 umzusetzen. Die Paulskirche wird in ihrer Nachkriegsfassung saniert, statt den Vorkriegszustand zu erhalten. Ergo: Es besteht von Seiten der Mächtigen (derzeit rot-grün-gelbe Koalition) kein Interesse an Rekonstruktionen. Würde die Saalgassenbebauung einmal zur Diskussion stehen, würde dort ebenfalls nach derzeitigem Stand nicht rekonstruiert, sondern irgendein modernistisches Exeriment umgesetzt.

    Sollte die Saalgasse einmal so marode sein, dass nur der Abriss möglich ist, kann man immer noch über Rekonstruktionen an der Stelle reden. Es dürfte aber nicht so leicht mit Abrissen werden, denn meines Wissens gehören die Häuser unterschiedlichen Privat-Eigentümern. Der Denkmalschutz dient dann eigentlich dazu, dass diese Eigentümer nicht mit den Häusern Schindluder durch diverse (Baumarkt-)Umbauten oder "Modernisierungen" treiben können.

  • Ich möchte zu meinem letzten Beitrag ergänzen, dass ich mich auf postmoderne Architektur im Allgemeinen bezog. Dieser Abschnitt der Architekturgeschichte - egal wie man dazu steht - sollte schon auch in Form guter, repräsentativer Beispiele erhalten bleiben. Diese stehen ja auch bei Weitem nicht in dem Maße möglichen Rekonstruktionen im Wege wie die Nachkriegsarchitektur. Insofern ist das Beispiel Saalgasse einfach eine (aus unserer Sicht) unvorteilhafte Ausnahme.

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    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Vor einigen Jahren fackelte ein Brandstifter den Goetheturm, den chinesischen und den koreanischen Pavillon ab. Der Goetheturm steht wieder, ebenso der chinesische Pavillon. Der zerstörte koreanische Pavillon indes noch nicht. Die Materialien hat der Zoll in Rotterdam einkassiert, eine Herausgabe ist unwahrscheinlich. Die Handwerker sind abgereist.

    Korea-Pavillons in Frankfurt Bau verzögert sich wegen Zoll-Problemen

    Bau der Koreanischen Pavillons in Frankfurt verzögert sich weiter
    Eigentlich war es der Plan der Stadt Frankfurt, die abgebrannten Pavillons im Koreanischen Garten im Frankfurter Grüneburgpark wieder aufzubauen. Doch jetzt
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    Wiederaufbau des Morgentau-Pavillons in Frankfurt scheitert

    Koreanischer Garten Frankfurt: Aufbau des Morgentau-Pavillons scheitert
    Die für den Sommer angekündigten Arbeiten im Koreanischen Garten finden nicht statt: Das Material aus Korea ist am Zoll in Rotterdam gescheitert, die Einfuhr…
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    Die "Frankfurter Neue Presse" schreibt in ihrer Print-Ausgabe vom 4.8.2023:

    Zitat

    Der Morgentau-Pavillon ist schon vor sechs Jahren abgebrannt, das Dach des Pflaumenlaube-Pavillons ist weiter defekt, die beiden quadratischen Teiche sind verschmutzt. Der Koreanische Garten bleibt bis auf Weiteres geschlossen. (...) Die Bauteile wurden - logischerweise - in Korea gefertigt und zusammen mit den passenden Werkzeugen per See-Container verschifft. Doch der Juni verstrich und auch im Juli tat sich nichts. Der Grund: Die Container stecken in Rotterdam fest, weil die dortige Zollbehörde einige Zertifikate beanstandet hat. Eine Einfuhr sei, Stand jetzt, nicht möglich, die Rücksendung der Container nach Korea äußerst wahrscheinlich. Der Wiederaufbau des Morgentau-Pavillons ist bis auf Weiteres abgesagt. (...) Demnach habe die koreanische Seite Kontakt zu dem Unternehmen hergestellt, das die traditionellen Holzteile des Pavillons in Korea gefertigt hat. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Konsulats berichtet, dass es gelungen sei, tatsächlich wieder jenes Handwerksunternehmen zu verpflichten, das schon 2005 die Holzteile des Pavillons gefertigt hat. Wie ein Stecksystem sind diese dann in Frankfurt zusammengebaut worden. „Damals war es ein Geschenk Koreas anlässlich der Buchmesse“, sagte der Mitarbeiter des Konsulats. Jetzt jedoch muss Frankfurt - oder die Versicherung - den Wiederaufbau zahlen. Koreanische Handwerker wieder abgereist Zuerst habe es länger gedauert, das Unternehmen ausfindig zu machen und zu verpflichten. Dann kam Corona und damit auch die Einschränkung der Arbeiten in der Werkstatt in Korea. Zuletzt, als alles fertig und verschifft war, kamen die Schwierigkeiten beim Zoll. (...) Die Kunsthandwerker hingegen sind schon wieder zurück in ihrer Heimat. Geplant war nämlich, den Morgentau-Pavillon von Arbeitern aufbauen zu lassen, die mit der traditionellen koreanischen Holztechnik sehr gut vertraut sind. Wann all dies nun geschehen wird, konnten weder Sprecher der Stadt noch des Generalkonsulats sagen.

  • Wobei ich Frankfurt nicht als "verlorenen Ort" bezeichnen würde. Die Stadt ist vielmehr konstrastreich und hat schon einiges zu bieten. Neben den Hochhausarealen beispielsweise Gründerzeitviertel, Villenviertel, mittlerweile die neue Altstadt, das Mainufer, Alt-Sachsenhausen. Also, da gibt es Städte in Deutschland, die ich weit eher als "verlorene Orte" klassifizieren würde. Wobei ich gerne "verloren" durch "zu gewinnende" ersetzen würde.

  • Gegenüber der Alten Oper wird es (zum Glück) kein Hochhaus geben. Das Bestandsgebäude der Nachkriegszeit (hier) wurde abgerissen.

    Neubau am Opernplatz: Benko scheitert mit Hochhaus-Plänen in Frankfurt

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    Am Frankfurter Opernplatz wollte das Immobilienunternehmen Signa einen 100-Meter-Turm bauen. Doch wegen politischen Widerstands entsteht jetzt ein Gebäude mit…
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    Stattdessen wird der (langweilige) Entwurf von Baumschlager-Eberle umgesetzt. (Siehe hier) Ich hätten den Entwurf von Staab Architekten eher bevorzugt. (Siehe hier) Aber immerhin wird die Brache an dieser wichtigen Stelle wieder bebaut.

  • Nachdem ja nun gar kein Hochhaus gebaut wird hätte man das Bestandsgebäude auch erhalten und sanieren können, da in meinen Augen der geplante Neubau keine architektonische Verbesserung erkennen lässt, damit ist nichts gewonnen. Er sieht sogar noch etwas belangloser aus. Solche Architektur ist dem Opernplatz als Visitenkarte der Stadt eigentlich nicht würdig.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Wahrscheinlich wird auch dieser Neubau nur wenige Jahrzehnte bleiben, und dann wieder ersetzt werden... wenn an einer Stelle mal so ein alle-paar-Jahrzehnte-Wechsel eingerissen ist, bleibt der, glaube ich ...

  • Hier geht es um ein in die Jahre gekommenes Ensemble nahe der Zeil, das ab nächstem Jahr saniert werden soll.

    Innenstadt Frankfurt: Neues Leben im Baudenkmal

    Das klingt positiv:

    Zitat

    „Wir möchten dem Gebäude seinen ursprünglichen Glanz wiederverleihen, ohne dabei Einbußen in Bezug auf modernste Qualitätsansprüche machen zu müssen“, sagt Lucas Moser von CLL. Dazu soll etwa das vierte Obergeschoss des Gebäudeteils an der Brönnerstrasse abgerissen werden, um es in einer „möglichst nahen Angleichung der Dachform an die Ursprungsform“ neu zu errichten.

    Hier ein Bild des derzeitigen Zustands der Stiftstraße 8-10:

    Hier ein Bild der Rückseite an der Brönnerstraße (ehemalige Diskotheken "Sinkkasten" und "Zoom"):

    https://a.mktgcdn.com/p/RDulQhQs7HD9LGEGd11_3Tf-esjqedTNhpZxsSnSkho/300x392.png

  • Egal, es kommt ja weg.

    Frankfurt hat wirklich außergewöhnlich hochwertige Bausubstanz der Jahrhundertwende zu bieten. Es gilt, diese endlich wieder vorteilhaft in Szene zu setzen. Daher freue ich mich ganz besonders über eine solche Meldung.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Mal ein Randthema. Und zwar deshalb, weil es mal im APH-Forum eine Endlosdiskussion mit einigen Foristen gab, die die Position vertraten, dass die Autofahrer an allem schuld seien, während die Radfahrer als die moralisch höher stehenden Verkehrsteilnehmer dargestellt wurden.

    In Frankfurt fand mal eine der seltenen Verkehrskontrollen für Radfahrer statt. Sie brachte zutage, was dort jeder im Stadt- und Straßenbild feststellen kann. Ein sehr großer Teil der Rad- und Rollerfahrer hält sich an keinerlei Verkehrsregeln, hat somit Narrenfreiheit. Gleichzeitig werden Autofahrer an allen Ecken beschnitten (Fahrbahnverengungen, Parkplatzabbau, nun bald Tempo 20 in der Töngesgasse) und sanktioniert.

    Innenstadt Frankfurt: Rotsünder im Akkord

    Innenstadt Frankfurt: Rotsünder im Akkord
    Bei Kontrollen in der Innenstadt kommt die Polizei nicht nach. Radfahrer und Nutzer von E-Rollern halten sich selten an Vorschriften.
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