München - von oben (Galerie)

  • Und genau so etwas nennt man Verklärung. Die ja aber durchaus legitim ist, denn die meisten der Generation Babyboomer und später denken wohl gerne an die Zeit ihrer Kindheit zurück, in der man die negativen Seiten und Probleme natürlich noch nicht wahrnahm und verstand. Die "gute alte Zeit" ist immer nur die, in der man glücklich war.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • A banda ist eigentlich ein recht anspruchsvoller und im Original sogar tiefsinniger Titel - kein Wunder, wurde er doch von meinem Doppel-Namensgeber Fransisco Buarque de Hollanda geschrieben :smile:

    Leider wird die Rezeption brasilianischer Musik im Ausland kaum der Komplexität der originalen Musik gerecht, speziell in Deutschland, bestenfalls die amerikanischen Bossa-Nova-Adaptionen (Stan Getz und Co.) haben Klasse, auch wenn der Sound dann nicht mehr so dezidiert cool-teilnahmslos wie im Original ist, sondern fast schon barock daherkommt.

    Die gute Musik fing sowieso erst in den 70ern an.

    Finde ich persönlich nicht, bei Pop und Rock sind die 60er mein Lieblingsjahrzehnt, gefolgt von den 80ern. Die 70er sind so ein wenig ambivalent, manche Bands aus den 60ern starteten dann so richtig durch (Led Zeppelin), andererseits gab es ja auch Bubblegum oder Glam Rock, später dann Disco, Punk und ganz zum Ende dann auch New Wave.

    Leider kommt aber spätestens seit der Jahrtausendwende eigentlich kaum noch etwas nach ... bei Jazz/Swing mag ich eindeutig die 30er, mit Bebop und Co. kann ich dann nichts mehr anfangen.

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Habt Ihr die 70er-Jahre in München miterlebt? Ich schon, und deswegen ist für mich der Olympiaturm eine Ikone unserer Kindheitszeit.

    Mein Vater hats miterlebt. Eigentlich "a Bua vom Land", hat er vom Ende der 60er bis Anfang der 80er dort gewohnt. Für ihn die beste Zeit seines Lebens. Er bekommt immer ganz leuchtende Augen wenn der davon erzählt. (Der immer stärker werdende Zuzug aus Nord- und Ostdeutschland ab Anfang der 90er hat ihm diese Stadt dann aber vergällt, weshalb er seitdem nur noch selten dort war bzw. wenn er unbedingt musste.) Von daher kann ich die Nostalgie schon nachvollziehen. Man kann ja auch über alte Serien, Sendungen, Reportagen, Bildbände etc erahnen, dass es eine äußerst dynamische Zeit war in einer "jungen" aber doch noch typischen Stadt.

    Architektonisch konnte da noch so große "Sch**´ßarchitektur" entstehen, da aber alles neu war und alles neue geliebt wurde, hatte man da größtenteils gar kein so kritisches Sensorium bzw. es hat einen auch überhaupt nicht interessiert.

    Als Nachgeborener kann ich da nüchterner drauf blicken.

    Einmal editiert, zuletzt von thommystyle™ (17. November 2025 um 19:18)

  • hollanda, ich meinte das auch mit etwas Augenzwinkern. Natürlich haben auch die 50er und 60er Jahre tolle Musik hervorgebracht. Aber wir hatten es ja bereits von Verklärung, und für mich fing mein bewusstes musikalisches Erleben eben erst in den 70ern an. :smile:

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Als Nachgeborener kann ich da nüchterner drauf blicken.

    Fast hätte ich gesagt "der Neid der Besitzlosen". Fast.

    Ja, Dein Vater ist wohl einer von uns; er teilt unsere Gefühlswelt. Damals war München der Mittelpunkt der Welt (und ist es für uns heute noch). Die Olympiabauten waren der gebaute Einstieg in eine neue Welt. Die Trümmerhalden des Kriegs waren überwunden und jetzt kann man mit einer U-Bahn bis unter den Marienplatz fahren. Man kann diese Stimmung nicht jemandem vermitteln, der sie nicht selber miterlebt hat. Mein Vater hat München als seine Stadt geliebt und hat sich Zeit seines Lebens nach München gesehnt und ist aufgelebt, wenn er dort war. Das hat er mir vererbt. Die Erfahrung mit und die Sehnsucht nach dieser Stadt, wie sie bis in die 80er war, sind tief in unserer Seele eingebrannt. Aber das München von heute ist nicht mehr wie früher.

  • So ähnlich könnte ich auch von Stuttgart berichten. Mein Opa wohnte in Bad Cannstatt und nahm uns mit zum Volksfest oder in die Wilhelma. In der Königstraße gab es noch unzählige Traditionsgeschäfte, man konnte sich eigentlich überall völlig sorglos in der Stadt aufhalten. Alles war sauber und die Stadt war noch unverkennbar schwäbisch geprägt. Wie man sich heute hier fühlt muss ich euch wohl kaum erklären, diese Entfremdung dürfte man so ähnlich in jeder deutschen Stadt antreffen. Ein besonderer Dank in dem Zusammenhang auch an Frau Angela Merkel & Follower.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Noch einmal Ausblicke vom Olympiaturm.

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Wenn man die Bilder gesehen hat, muss erst mal wieder zur Ruhe kommen nach diesem Höhenrausch. So ähnlich, wie wenn man in natura oben war und dann wieder am Boden ist, da braucht man auch ein bisschen.

  • Ein paar Fotos von 2013 vom Olympiaturm.

    Zeltdach von oben:

    Olympiastadion:

    See:

    BMW-Vierzylinder:

    Mit dem neuen Museum links:

    Innenstadt:

    Ist da das Hypo-Hochhaus zu sehen?

    Das war das frühere Olympische Dorf:

    Blick auf die Arroganz Arena:

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Das Olympische Dorf ist ganz besonders hässlich und bleibt als schauerliche Kulisse des Attentats von 1972 für immer in negativer Erinnerung.

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Ist da das Hypo-Hochhaus zu sehen?

    Ja, ca. 1/4 der Bildbreite vom linken Rand aus.

    Das Olympische Dorf

    Nach dem Ende der Spiele hat man aus einem Teil Studentenwohnungen gemacht. Die waren äußerst begehrt. Ein früherer Kollege von mir hat berichtet, dass er das große Glück gehabt hat, damals, gegen Ende seines Studiums, dort einziehen zu können.