Immendingen (Allgemeines)

  • Ippinger Riese

    Der „Ippinger Riese“ ist ein markantes und historisch bedeutsames Gebäude im Ortsteil Ippingen der Gemeinde Immendingen auf der Baar, dessen Hintergrundgeschichte eine faszinierende Mischung aus belegbarer Architekturgeschichte, lokaler Überlieferung und moderner Esoterik darstellt. Seinen Namen verdankt das Bauwerk schlichtweg seiner für ein Dorf ungewöhnlich massiven und gewaltigen Erscheinung. Im Kern handelt es sich um ein mittelalterliches Gebäude, das im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Funktionen erfüllte. Lange Zeit diente es als sogenannte Zehntscheuer, in der die Bauern ihre Naturalsteuern an die Grundherren oder die Kirche abliefern mussten. Später wurde es als Jägerhaus und schließlich als stattlicher Doppelbauernhof genutzt. Besonders auffällig ist der markante Zinnengiebel mit seinen 13 Stufen – ein architektonisches Merkmal, das für landwirtschaftliche Gebäude in dieser Region äußerst ungewöhnlich ist und dem Haus sein charakteristisches Aussehen verleiht.

    Genau diese baulichen Besonderheiten befeuern bis heute zahlreiche Mythen und Legenden. So hält sich hartnäckig die Theorie, der Riese sei ursprünglich eine Komturei des Templerordens gewesen. Die 13 Stufen des Giebels werden in diesem Zusammenhang oft als symbolischer Hinweis auf die 13 Stufen der Selbsterkenntnis gedeutet. Historisch belegt ist immerhin, dass das Gebäude im Jahr 1304 an das Kloster St. Georgen verkauft wurde – just in jener Zeit, als der Templerorden europaweit aufgelöst wurde. Andere Überlieferungen bringen den Ort sogar mit Kaiser Karl dem Dicken in Verbindung, der bereits im Jahr 880 Ländereien in Ippingen verschenkte. Dies führte zu Spekulationen, der Ippinger Riese stehe auf den massiven Grundmauern eines noch viel älteren, herrschaftlichen Sitzes.

    In der jüngeren Vergangenheit hat das imposante Gebäude zudem in der Esoterik-Szene stark an Bedeutung gewonnen. "Geomanten" betrachten den Ort als bedeutendes Energiezentrum und gehen davon aus, dass sich direkt unter dem Haus genau fünf energetische Linien kreuzen. Dies macht den Ippinger Riesen für Anhänger dieser Lehren zu einem der stärksten Kraftorte Südwestdeutschlands. Dieser Ausstrahlung wollte man offenbar auch bei der aufwendigen "Restaurierung" ab den 1980er Jahren Rechnung getragen. Der Architekt Wolfgang Zeller und den heutigen Besitzer ging es wohl vor allem darum, das Bauwerk nach diesen Maßstäben und Prinzipien zu sanieren. Der Umbau nach diesen Kriterien und die Instandsetzung hat leider den historischen Charakter des Gebäudes erheblich in Mitleidenschaft gezogen: Unpassende Fenster, Brüche in der Fassade, Verglasungen, die allenfalls einem modernistischen Anspruch genügen, nicht aber dem Gebäude gerecht werden. Heute wird der Ippinger Riese als privates Wohnhaus sowie als Seminarzentrum genutzt und gilt als eines der ältesten und geheimnisvollsten Bauwerke der gesamten Baar-Region.

    Außenansichte (heute)

    Früheres Erscheinungsbild